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Wer viel Wert auf gute Spirituosen legt und auch zu Hause gerne mal einen leckeren Drink kredenzt, der dürfte früher oder später den Wunsch nach einer eigenen Hausbar verspüren. In den 60er-Jahren gehörte die Minibar zum guten Stil dazu, sogar gerne auch mal zur Grundausstattung von Büros. In den letzten Jahrzehnten stand sie eher für trostlose Hotelzimmer und horrende Preise für die kleinsten Flaschen der Welt. Doch spätestens seit der US-amerikanischen Serie Mad Men, in der sich Don Draper gerne mal einen Old Fashioned gönnt (unser Cocktailrezept dazu hier), erlebt die Minibar ein Comeback: schöne Gläser, ansprechende Flaschen und alles ein bisschen verrucht.

Text und Fotos: Milena Zwerenz

Barwagen oder Sideboards mit eingebauter Minibar können heutzutage zuhauf auf dem Flohmarkt, in Antiquitätenläden oder online erworben werden. Ob man auf das bewegliche Servierwagen-Modell mit Rollen setzt oder einfach nur ein Tablett schön anrichtet, bleibt jedem selbst überlassen.

Doch wo fängt man beim Einrichten der hauseigenen Bar an und welches Chi-chi kann man sich sparen? Wir haben Christian Gentemann, Barmanager der Berliner Bar am Steinplatz (hier geht’s zum schönen Barmenü) im Hotel am Steinplatz, um ein paar Tipps gebeten.

Diese Spirituosen bilden die Basis

Bei der Getränkeauswahl steht Qualität vor Quantität. Natürlich spielen auch die eigenen Präferenzen eine Rolle, doch es gibt ein paar sichere Basics auf dem Servierwagen, die  als Basis für Aperitifs, Digestifs und Cocktails dienen. Christian Gentemann empfiehlt mit diesem Starterpaket loszulegen:

– ein klassischen London Dry Gin wie Tanqueray oder Beefeater
– ein Doppelwacholder für den reinen, puren Wacholdergeschmack
– ein Bourbon, zum Beispiel Four Roses (Standard) oder Elijah Craig (besonders)
– eine Spirituose nach Belieben zum Pur trinken, zum Beispiel Rum wie Ron Zacapa 23, Single Malt Whisky wie Dalmore 12 oder Ähnliches.

Statt die Minibar in Sachen Spirituosenauswahl gleich aus allen Ecken und Enden explodieren zu lassen, rät Christian eher zu mehr Vielfalt bei den Mischgetränken, also beispielsweise beim Tonic Water. “Ich finde die richtige Tonicauswahl beim Gin & Tonic wichtiger als den Gin, da das Mischverhältnis in der Regel aus einem Teil Gin und zwei Teilen Tonic besteht”, erklärt er. Unter seinen Tonic-Favoriten finden sich etwa Thomas Henry als Allrounder, Doctor Polidori Gurke als etwas speziellerer Tonic und der trockene Aqua Monaco Extra Dry.

Bei der Standortwahl der Bar sollte man darauf achten, dass die Spirituosen nicht direktem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Das könnte ihren Geschmack verändern.

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Zutaten, die man in der Küche haben sollte

Gehört nicht auf den Servierwagen, sollte aber auch immer bereitstehen: gutes Eis. In Christians Augen die wichtigste Zutat. Es kühlt und verwässert eure Drinks. Die WELT titelte es einst als “Gold des Barmanns”, denn ein hochwertiger Cocktail steht und fällt mit der Qualität des Eises – eine Wissenschaft für sich. Für zu Hause reicht es, zumindest darauf zu achten, dass man destilliertes Wasser verwendet und die Eiswürfel nicht neben Lebensmitteln mit starkem Eigengeruch lagert, da sie die Düfte sonst anziehen. Auch beim Herstellen von Crushed Ice mit dem Holzhammer oder Nudelholz gilt es, möglichst ein geruchsfreies Geschirrtuch zu verwenden, das gleichzeitig entstehendes Schmelzwasser aufsaugt. Christian empfiehlt, bestenfalls in der Bar eures Vertrauens nach gutem Eis für eure Hausbar zu fragen.

Neben dem Eis lohnt es sich außerdem, immer frische Minze, Basilikum, Meersalz, Zucker und Zitronen in Reichweite zu haben. Das ist gar nicht viel, damit lassen sich aber eine Menge Drinks zaubern.

Gutes Bar-Equipment gehört dazu

Auch beim Equipment muss man gar nicht groß auffahren. Manche Küchengeräte hat der eine oder die andere vielleicht sogar schon zu Hause. Cocktailshaker-Sets gibt es bereits ab etwa 15 Euro, zur Grundausrüstung gehören:

– Cocktailshaker
– Messbecher
– Strainer, also ein Barsieb, das die zum Schütteln oder Rühren verwendeten Eiswürfel im Cocktail-Shaker oder Rührglas beim Ausgießen zurückhält
– ein Feinstrainer, beziehungsweise ein feines Teesieb – dichteres Gewebe als der Strainer, um kleine Bestandteile wie Kräuterreste oder Fruchtfleisch zurückzuhalten
– ein Zestenreißer, beziehungsweise Sparschäler

Eine zusätzlich erweiterte Auswahl findet sich in unserem Video hier.

Bei den Gläsern rät Christian dazu, ein paar schöne Tumbler, das sind kurze Trinkgläser mit einem dicken, sehr stabilen Boden, zu besorgen. “Darin kann man Gin Tonics servieren, eignet sich aber ebenso für Sours”, meint er. Zusätzlich solltet ihr immer ein schönes Tasting-Glas für die puren Spirituosen in eurer Bar haben.

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Diese Rezepte sollte man lernen

Es braucht also gar nicht viel, um einigermaßen gut für einen schönen Cocktailabend ausgestattet zu sein. Doch was nützt die Ausrüstung, wenn man nichts damit anfangen könnt? Christian empfiehlt, sich die Cocktail-Rezepte von Sours, Smashes und Fizzes anzueignen: “Das sind alles ähnliche Rezepte, aber alle sehr wandelbar und recht simpel zu machen”.

Sours
Sours bestehen aus einer Spirituose, Zitronensaft und Zucker, oft im Verhältnis 3-2-1. Unser leckeres und leicht abgewandeltes Beispiel, der Spiced Stork Club Sour, als Cocktail-Rezeptvideo hier.

Smashes
Ein Smash ist ein Cocktail mit frischen Kräutern oder Früchten, die zerstoßen werden. Auch hier braucht ihr meist nur eine Spirituose, die frischen Kräuter, Zitronensaft und Zuckersirup.
Ein Rezept für Gin Basil Smash findet ihr hier bei Gintlemen.

Fizzes
Fizzes sind vereinfacht gesagt geschüttelte Sours, die mit etwas Sodawasser aufgefüllt werden, am bekanntesten ist wohl der Gin Fizz. Die Zubereitung bei Gintlemen hier.

Das braucht man erstmal nicht

Worauf man erstmal getrost verzichten kann, sind zu viele unterschiedliche Gläser, Eisformen aus Silikon oder Plastikbeutel zur Herstellung von Crushed Eis. Aufstocken kann man schließlich immer noch. Das gilt übrigens auch für die Getränkeauswahl: Auch wenn man erstmal klein bei den Spirituosen anfängt, Cocktailbittern und Mischgetränken sind keine Grenzen gesetzt. In diesem Sinne: Cheers!

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