One-Pot-Pasta im Test - Schnelle Nudelrezepte | FOODBARN
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Das Konzept bricht alle Pasta-Regeln: Wenig Wasser, dafür wandern die Zutaten für die Sauce mit in den Topf. Kann das gut gehen? Und muss das überhaupt sein? Unsere Autorin war skeptisch – bis sie die Methode selbst getestet hat.

Text: Katharina James

Die Bilder verfolgen mich auf meinen Lieblingsseiten und bei Instagram: Trockene Pasta, Gemüse, Gewürze wandern in einen Topf – und verwandeln sich im Handumdrehen in ein fotogenes Nudelgericht. So schnell, so einfach, so wenig Abwasch. Reizvoll? Und wie, denn in zehn Minuten ganz ohne Fertigprodukte ein warmes Abendessen auf den Tisch zu bringen, wäre unter der Woche ein Game Changer. One-Pot-Pasta heißt der Trend, und seit ihn die US-Lifestyle-Ikone Martha Stewart auf ihrer Website bekannt gemacht hat, gibt es unzählige Texte, die die Methode feiern – oder verdammen.

Ich bin erst einmal skeptisch: Schließlich weiß jedes Kind, dass Nudeln „in reichlich kochendem Salzwasser“ bissfest zu kochen sind. Faustregel: Mindestens zwei Liter Wasser plus zusätzlich ein Liter je 100 Gramm Pasta.

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Ihr wollt wissen, wie die perfekte Pasta gelingt? Dann einfach auf das Bild klicken.

Und überhaupt: Muss Pasta wirklich noch schneller gehen? Mit einer Garzeit von je nach Form und Dicke 7-12 Minuten gehören Nudeln schließlich wahrlich nicht zu den zeitraubenden Gerichten. Was die Sauce angeht, Öl, Knoblauch, Chili und ein paar Tomatenwürfel sind auch in knapp einer Minute zusammengeworfen, wenn es wirklich so eilig ist.

Spaghetti Aglio Olio
Zum Rezept für die Spaghetti Aglio, Olio e Peperoncino kommt ihr, indem ihr auf das Bild klickt.

Aber – ha! – ein wenig weitere Nachforschungen ergeben, dass die Technik, Nudeln in einer geringen Menge würziger Flüssigkeit zu kochen, so dass sie ihre eigene Sauce herstellt, schon aus dem 13. Jahrhundert überliefert ist. In Sizilien wurde die Itriya, ein mutmaßlich von den Arabern auf die Insel eingeführter Vorläufer der Pasta, wie wir sie kennen, in einer Brühe aus Fleisch und Kichererbsen gegart. In anderen Worten: One-Pot-Pasta ist älter als Nudeln mit Tomatensauce. Nehmt das, Traditionalisten! Andererseits: Ist ein Vorgehen zwingend besser, weil es alt ist? Wir lassen uns schließlich auch nicht mehr die Zähne von Hufschmieden ziehen.

Es hilft nichts. Ich muss es selber ausprobieren. Da ich Nudeln immer im Haus habe und Wasser aus dem Hahn kommt, wird mich der Test wenig Zeit und Geld kosten. Als Testesser stehen mir ein reifer, höflicher Kenner feiner italienischer Küche zur Verfügung sowie eine weniger erfahrene, dafür aber brutal ehrliche Pasta-Fanatikerin. In anderen Worten, ich habe für meinen Vater und meine vierjährige Tochter gekocht. Immerhin ein ganz gutes Spektrum der Geschmäcker.

Der Test

Für meinen Test suche ich mir das wohl am meisten geteilte One-Pot-Pasta-Rezept aus dem Internet aus: Spaghetti landen mit dünn geschnittener Zwiebel, Knoblauch, Kirschtomaten, Öl, Basilikum und Wasser in einem flachen Topf und köcheln da unter gelegentlichem Rühren, bis die Nudeln Al Dente sind. Das bekomme ich hin.

Neun Minuten später meldet sich der Küchenwecker und DAS ESSEN IST FERTIG. Ich rühre noch einmal um, gebe einen Schluck Olivenöl und frisches Basilikum dazu und stelle frisch geriebenen Parmesan auf den Tisch. Das stressigste an der Zubereitung war bisher, den Tisch gedeckt zu bekommen, bevor das Gericht fertig war.

Das Resultat

Tatsächlich hat das stärkereiche Nudelwasser zusammen mit den beim Kochen leicht zerfallenen Kirschtomaten und dem Öl eine Art Sauce gebildet. Mein Vater und meine Tochter essen je zwei Portionen. Mein Vater lobt den frischen Geschmack der Kirschtomaten und findet, dass die Spaghetti selbst intensiver und aromatischer sind, weil sie den Sud aus Tomaten, Kräutern und Gewürzen aufgesaugt haben. Meine Tochter vergisst, sich über den Knoblauch beschweren. Aus familientechnischer Sicht also ein Triumph. Ich selber finde, dass die Sauce süßer schmeckt, als ich es normalerweise mag – das könnte an der vielen Stärke im Wasser liegen.

Die Zwiebel würde ich künftig weglassen, damit die Sauce weniger süßlich schmeckt, den Knoblauch zusammen mit den Chiliflocken als allererstes im Öl anschwitzen, bevor ich die restlichen Zutaten in den Topf gebe. Ich könnte mir vorstellen, das wieder zu kochen, besonders, wenn ich es eilig habe. Perfekt ist das Rezept auch für den Urlaub, es  sollte selbst in der kleinsten Ferienwohnungs-, Wohnwagen oder Bootsküche gelingen.

Der zweite Test

Ich entscheide mich, die Technik noch einmal auszuprobieren. Diesmal will ich versuchen, eines meiner liebsten Pastarezepte für die Zubereitung in nur einem Topf zu adaptieren: Pasta mit Zucchini. Ein Rezept, das meine italienische Mitbewohnerin Elena mir vor vielen Jahren an unserem Küchentisch in einer verranzten Altbauwohnung im Zentrum Roms aufgetischt hat, und an dem ich im Laufe der Jahre so lange herumgedoktert habe, bis es genau meinen Vorstellungen entsprach.

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Mit Zucchini, Minze und Ricotta hat uns die One-Pot-Pasta bislang am besten geschmeckt. Zum Rezept gelangt ihr, indem ihr auf das Bild klickt

One-Pot-Pasta-Puristen (welch ein Wort) werfen einfach alle Zutaten gleichzeitig in einen Topf. Geht ja auch schneller. Ich will aber nicht auf die Röstaromen verzichten, also schwitze ich die Zucchini und den Knoblauch mit etwas Salz und Chiliflocken an und gebe erst dann Nudeln und Wasser dazu. Zum Schluß gebe ich Ricotta Salata und frische Kräuter an die Nudeln und finde: Das Resultat kann mit dem Original mithalten.

Fazit

Geschmeckt hat es also. Ist es wirklich einfacher? Jein. Ob Nudeln und Sauce separat nebeneinander vor sich her köcheln oder zusammen, macht zeitlich höchstens einen geringfügigen Unterschied. Außerdem muss ich das Essen sorgfältiger vorbereiten um zu verhindern, dass einzelne Zutaten matschig werden, während andere noch hart sind. Andererseits war ich überrascht, wie angenehm ich es finde, statt zwei oder drei Töpfen nur einen bewachen zu müssen. Für schnelle Zubereitungen mit Gemüse werde ich die One-Pot-Methode deshalb in Zukunft wieder anwenden (ich träume schon von einer herbstlichen Version mit Kürbis, Salbei und Ricotta). Für Zubereitungen mit Fleisch kommt die Methode für mich aber nicht in Frage – zu meinem über Stunden hinweg geschmorten Sugo koche ich mir lieber eine frische Portion Tagliatelle.

Foodbarn Bolognese
Zum Rezept für das Ragú alla Bolognese kommt ihr, indem ihr auf das Bild klickt.

Tipps für One-Pot-Pasta

  1. Auch wenn es ein zusätzlicher Arbeitsschritt ist: Knoblauch, Zwiebeln und festere Gemüse schmecken besser, wenn sie zu Beginn kurz in Öl oder Butter angeschwitzt werden. Auch die Kochflüssigkeit gewinnt dadurch an Geschmack.
  2. Ob die Pasta angenehm saucig ist oder fad und suppig, steht und fällt mit der Wassermenge. Als Faustregel zunächst doppelt so viel heißes Wasser zugeben wie Pasta (also 700 ml auf 350 g Pasta) und dann kleinere Mengen nachgießen, falls die Mischung zu trocken wird, bevor die Pasta gar ist. Nicht vergessen: Auch das Gemüse gibt Flüssigkeit ab!
  3. Die Flüssigkeit, in der die Nudeln garen, ist auch die Basis der Sauce. Warum nicht einen Teil des Wassers durch Fond, Tomatensaft oder Wein ersetzen? Experimentieren lohnt sich!
  4. Für Saucen auf einer Sahne- oder Milchbasis ist die Methode nicht geeignet: Das Risiko zu groß, dass die Mischung im Topf anbrennt. Wer es cremig mag, sollte lieber im Anschluss ans Kochen ein paar Esslöffel Creme fraiche oder Ricotta unterrühren.
  5. Gewürze schon zu Beginn des Kochens in den Topf geben, Kräuter besser frisch zum Schluss.
  6. Sind die Zutaten einmal im Topf, bleiben sie genauso lange darin, wie die Pasta braucht, um bissfest zu werden. Aber auch nicht länger! Deshalb vorab überlegen, welche Garzeit die einzelnen Bestandteile haben, welche Konsistenz gewünscht ist und entsprechend zuschneiden.
  7. Abschmecken nicht vergessen: Neben Salz und Pfeffer können ein Faden Olivenöl, ein kleines Stück Butter oder ein paar Spritzer Zitronensaft den Geschmack abrunden.

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