Reportage: Voodoo Doughnuts aus Portland | FOODBARN
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Keinen blassen Schimmer hatten Tres Shannon und Cat Daddy zunächst vom Doughnut-Backen. Trotzdem entwickelten sich ihre Voodoo Doughnuts in Portland (Oregon) zum Renner. Täglich stehen die Leute Schlange vor ihrem Shop, der genauso schräg, exzentrisch und individuell ist wie viele ihrer Schmalzkringelkreationen – vom Doughnut mit Bacon bis zum putzigen Voodoo-Männchen.

Text: Sascha Rettig
Bilder: Sascha Rettig

Der erste Schritt war noch ganz einfach. Chop! Chop! Ein scharfer Schnitt links an dem Doughnut, ein Schnitt rechts – fertig war die Form der essbaren Voodoo-Puppe. Doch das entscheidende Detail fehlte noch. Etwas, durch das das frittierte Teigstück mit dem aufgemalten Gesicht nicht bloß nach einem Lebkuchenmann ausschaute. Der nötige Geistesblitz ließ bei Cat Daddy (50) und Tres Shannon (51), den beiden Gründern des eigenwilligen Doughnut-Shops, allerdings auf sich warten. Erst ein paar Monate später hatten sie schließlich die zündende Idee: Eine ganz simple Salzstange wurde zur alles entscheidenden Nadel, die – mitten ins Herz gestochen – das Stück Teig zur Voodoo-Puppe machte. Eine, die ein Shop mit dem Namen Voodoo Doughnut auf jeden Fall im Angebot haben musste. „Tatsächlich war sie der allererste Doughnut, den wir damals entworfen haben“, sagt Cat, der zusammen mit Tres zum Interview im Voodoo Doughnut-Mutterschiff in Portland (Oregon) gekommen ist; einer von derzeit sieben Filialen in den USA, die allesamt so ganz anders sind als eine traditionelle Bäckerei.

Voodoo Doughnuts Titelbild
Tres Shannon und Cat Daddy hatten zunächst keinen Schimmer vom Doughnut-Backen, bauten mit ihren Voodoo Doughnut Shops aber dennoch ein äußerst erfolgreiches Unternehmen auf.

Heute, fünfzehn Jahre nach dem Start ihrer Erfolgsgeschichte, haben sie fast achtzig Varianten der All-American-Süßigkeit zur Auswahl. Natürlich gibt es einige Klassiker – vom Chocolate Ring bis zum Himbeermus-gefüllten Raspberry Romeo. Ein Grund für die große Beliebtheit von Voodoo Doughnut dürften allerdings die originellen Kringelkreationen und teils abenteuerlichen Süßseltsamkeiten sein: Der große Dauerbrenner, man glaubt es zunächst kaum, fusioniert Ahornglasur mit einem Streifen knusprigen Frühstücksschinken – doch es funktioniert seltsamerweise [ähnlich wie auch bei unseren Beer-Bacon-Pancakes]. Oh Captain, My Captain hingegen ist bedeckt mit bunten Captain Crunch-Frühstücksflocken. Und der rosafarbene Kringel mit bunten Perlen heißt The Homer in Hommage an den vertrottelt-liebenswerten Simpson, der Doughnuts über alles liebt. Überhaupt wimmelt es auf der ganzen Angebotstafel nur so vor Anspielungen auf Musik, Film und Popkultur.

Dass die beiden Voodoo-Barone einen schrägen Humor mit Hang zur Geschmacklosigkeit haben, zeigen nicht nur ihre Outfits mit schwarzweißer Karohose und rotem Topfhut. Der steckt auch in den Namen vieler Doughnuts, die Butterfingering oder Triple Chocolate Penetration heißen. Der „Dirty Snowball“ ist umhüllt von Kokos und hat kleine, braune Erdnussbutter-Häufchen oben drauf. Cock’n’Balls hingegen hat genau die Form, die man bei dem Namen erwartet – genauso wie die Füllung mit Vanillecreme.

Jeder Laden hat seine eigene Küche, in der all diese Doughnuts frisch gebacken werden. Frisches Öl, die richtige Temperatur, exaktes Timing – das macht laut Cat einen leckeren Doughnut aus. „Abgesehen davon sind sie zwar Junkfood, aber trotzdem ein Produkt, das mit Vorsicht behandelt werden muss. Jedes Mal, wenn ein Doughnut verpackt, angefasst und transportiert wird, besteht die Gefahr, dass er beschädigt wird.“

Voodoo Doughnuts 5
Jeder Voodoo-Doughnuts-Laden besitzt seine eigene Küche zur frischen Zubereitung der Doughnuts.

Anfangs hatten beide von diesen Prozessen nicht die geringste Ahnung. Selbst dass sie einmal Doughnuts verkaufen würden, war nicht klar. „Wir waren Freunde und wollten auf jeden Fall etwas zusammen aufziehen“, erinnert sich Tres. Eine Bar vielleicht. Cat war Bar-Manager. Tres hingegen buchte Bands für einen Club – gleich neben ihrer ersten Location am Rande von Portland Downtown. Damals saßen sie irgendwann in der Straße zusammen, kamen irgendwie darauf, dass es nirgendwo in der Gegend Doughnuts gab und setzten sich in den Kopf, einen Shop zu eröffnen. Nur: Zunächst wollte kaum jemand an ihr Konzept glauben. Ganz zu schweigen, dass sie in ihrem ganzen Leben noch keinen einzigen Kringel gebacken hatten.

Über eine befreundete Bauchtänzerin landeten Cat und Tres bei einer armenischen Bäckerei, die wiederum Kontakt zu ihrem Lieferanten herstellte. Dieser sorgte dafür, dass sie bei einem privaten Crashkurs in einer großen Showküche in Los Angeles lernten, was sie über die Doughnut-Herstellung wissen mussten – schließlich machten sie nach der Eröffnung 2003 noch alles selbst. „Damals haben wir viel experimentiert und kauften allerhand seltsames Zeug, um es auf die Doughnuts zu packen“, sagt Tres. „Anfangs haben wir uns sogar mehr an der Optik als am Geschmack orientiert.“ Bunte Cerealien? Warum nicht. Pinker Zuckerwattenpuder? Klar. Der sieht im Fernsehen fantastisch aus und hat das Interesse sicher noch zusätzlich gesteigert. Erfolgreich waren sie damit im Grunde von Tag eins an – wobei Medien und sozialen Netzwerke etwas nachgeholfen haben.

Nicht alle Doughnuts haben es in der Beliebtheitsskala sonderlich hoch geschafft. Der Doughnut mit Jägermeister, Guaven-Jelly und Wasabipulver zählt auf jeden Fall zu den abschreckenden Experimenten. Laut Cat war aber auch der Doughnut mit der frischen Auster eine üble Idee. Bei jeder Bestellung musste einer zur Austernbar laufen, um ein frische Auster zu kaufen, die zusammen mit etwas Cocktail-Soße auf den Teig kam. „Wir haben davon aber sowieso nur fünf verkauft“, erklärt er und lacht. Ein paar ihrer Herzensfavoriten wie der Tang-tastic mit Tang-Fruchtsaft, der bei NASA-Astronauten auf ihren Missionen beliebt war, stehen zwar dauerhaft unter Artenschutz; die unbeliebtesten Doughnuts fliegen allerdings hin und wieder aus dem Sortiment. Dafür werden neue Geschmäcker und Ideen der großen Auswahl hinzugefügt.

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Bei Voodoo Doughnuts gibt es regelmäßig neue ausgefallene Sorten zum Probieren.

Für welche Doughnuts man sich bei einem Besuch letztlich entscheidet, kann man sich meist beim Schlangestehen ausführlich überlegen. Es dauert schließlich schon mal bis zu einer Dreiviertelstunde, bis man die pinkfarbene Schatzbox mit seinen favorisierten Sorten rausträgt. Immerhin: Wer erstmal im Shop steht, hat viel zu gucken. Rund um den Riesen-Doughnut an der Decke sind die Wände voll mit Memorabilia und Rock‘n’Roll-Kram. Lauter seltsame Sachen. Bei den Angestellten hinter dem Tresen sind Tattoos, Piercings, alternative Outfits keine Ausnahme. Uniformierung oder  geleckte Konzern-Konformität hat keine Chance. „Wir wollen die Individualität der Leute feiern“, sagt Cat.

All das zusammen ergibt bei Voodoo Doughnuts den ganz eigenen, alternativen Retro-Popkultur-Schmalzkringel-Stil, der in allen Filialen ähnlich ist – auch wenn manche vollgestopfter sind als andere. „Aber das macht ja die Atmosphäre aus: Wir sehen uns selbst als Rock’n’Roll-Doughnut-Shop – mit der ganzen Musik und Dekoration“, erklärt Cat. „Ich schätze, dass sich beim Dekor schon ein bestimmtes Thema durchzieht. Letztendlich hängen wir einfach unseren Kram auf.“ Vieles wurde den Voodoo-Baronen geschenkt. Manches stammt aus ihrer eigenen Sammlung. „Wir sammeln. Mein Haus ist voll damit und in Cats Haus war das früher nicht anders“, sagt Tres und fügt grinsend hinzu: „Wenn man in unsere Läden kommt, sieht es aus, als hätte Walt Disney hinein gekotzt.“

Mehr Infos unter www.voodoodoughnut.com

Weitere kulinarisch interessante Orte und Persönlichkeiten findet ihr in unserer Rubrik ENTDECKEN.

Voodoo Doughnuts 2
Sieben Voodoo-Läden gibt es derzeit. Drei in Portland. Dazu einen in Eugene, Austin, Denver und auf dem Universal CityWalk in Los Angeles.

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