Take Five: Exotische Whiskys aus aller Welt | FOODBARN
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Whisky kommt aus Schottland und Kanada, Whiskey aus Irland und den USA. Eine einfache Formel und Eselsbrücke, die über Jahrhunderte lang galt und gilt. Doch in den letzten Jahrzehnten sind immer mehr Länder dazu gekommen und haben sich in die Liste der whiskyproduzierenden Länder eingereiht. So zum Beispiel Schweden, Deutschland, Ägypten, Indien, Taiwan, Japan schon länger und noch viele andere mehr. Als exotische Whiskys wurden sie zunächst bezeichnet, mittlerweile ziehen viele die Bezeichnung World Whiskys vor. Wie man sie auch nennen mag: Wir stellen fünf ungewöhnliche Whiskys aus fünf Ländern vor.

1. Japan: Togouchi

Ein von @rudi_zanin geteilter Beitrag am

Die Zeiten, in denen japanische Whiskys als exotisch eingestuft wurden, sind passé. Die berühmten Yamazakis der Suntory Brennerei haben einen starken Wertzuwachs bzw. eine hohe Preissteigerung erfahren, seitdem sie den Schotten und US-Amerikanern in Bestenlisten den Schneid abgeknöpft haben. Auch die Brennerei Nikka stellt vollendete Tropfen her, wie auch die erst 2008 gegründete Destillerie Chichibu. Dennoch sind japanische Whiskys für den Durchschnittskonsumenten in Europa weiterhin etwas Ungewöhnliches. So dürfte auch der Togouchi Whisky der Brennerei Chugoku Jozo aus Hiroshima selten in Europa serviert und getrunken werden. Das Interessante an ihm: Hier schließt sich geradezu paradebeispielhaft der Kreis zur alten Whiskywelt, besteht dieser Blend doch zu 40 % aus schottischen Malt und 60 % aus kanadischem Grain-Whisky. Gemischt wird der gute Tropfen aber dann doch in Japan und reift schließlich in Fässern, die in einem alten Eisenbahntunnel gelagert sind. Dieser wurde 1970 von der japanischen Eisenbahngesellschaft erbaut, aber nie in Betrieb genommen. Der Tunnel sorgt für eine konstant kühle Temperatur ohne allzu große Schwankungen. Wer ihn mal probieren möchte: Der abgebildete Togouchi (18 Jahre) ist für rund 90 Euro im Handel erhältlich.

Chugoku Jozo Brennerei

2. Taiwan: Kavalan Solist Vinho Barrique

Rund 1500 Kilometer südwestlich von Japan auf einer weiteren Insel arbeitet man seit 2002 bei Kavalan am Traum vom eigenen Whisky. Damals wurde das staatliche Monopol auf die Herstellung von Branntwein gekippt und damit der Weg für den ersten Whisky-Hersteller geebnet. 2005 markierte die Fertigstellung der Distillerie, 2006 wurde der erste Whisky produziert und 2008 erstmalig in Flaschen abgefüllt. Nur knapp sieben Jahre später heimste Kavalans Solist Vinho Barrique bei den World Whiskies Awards den Preis für den besten „Single Malt Whisky“ ein; nur ein Jahr später wurde dem Solist Amontillado Sherry Single Cask Strength die gleiche Ehre in der Kategorie „Best Single Cask Single Malt Whisky“ zuteil. Günstig ist der taiwanesische Tropfen nicht: Der Sherry Single Cask Strength schlägt mit rund 110 Euro zu Buche, der Vinho Barrique ist gar erst ab 150 Euro aufwärts zu haben.

Kavalan

3. Neuseeland: The New Zealand Diggers & Ditch

Auch in Ozeanien wird seit den 60er Jahren Whisky gebraut. Dieser gute Tropfen hat einen langen Weg hinter sich – und damit sind nicht nur die rund 18.000 Kilometer nach Mitteleuropa gemeint. Die Willow­bank Distil­lery in Dunedin (1968 gegründet) wurde in den 80er-Jahren erstmalig, dann in den 90er-Jahren nochmals verkauft und 2000 komplett stillgelegt. The New Zealand Whisky Company erwarb die verbleibenden 600 Fässer Whisky und lässt sie seitdem auf der Südinsel Neuseelands reifen. Der New Zealand Diggers & Ditch ist ein Blended Malt aus neuseeländischen Double Wood Barrels und einem angeblich geheimen Single Malt aus Tasmanien (Australien). Das Resultat ist ein sehr fruchtiger und beeriger Whisky, der ab 80 Euro für 0,5 Liter erhältlich ist.

The New Zealand Whisky Company

4. Pakistan: Murree Rarest

Hier wird’s wirklich exotisch, im Sinne von sehr ungewöhnlich: Dass in Pakistan Whisky hergestellt wird, erstaunt. In dem muslimischen Land ist (theoretisch) 97% der Bevölkerung der Konsum von Alkohol gesetzlich untersagt. Dennoch existiert die Murree Brewery seit über 150 Jahren (als einzige, börsennotierte Brauerei des Landes) und stellt eine Reihe von Bieren, Spirituosen und nicht-alkoholischen Getränken her. Auch der Umsatz von 7,63 Milliarden Rupien (rund 56 Mio. Euro, Stand Mitte Januar 2018) spricht dafür, dass vielleicht doch der ein oder andere ab und zu am Gläschen nippt. Der ehemalige CEO Minocher ‚Minoo‘ Bhandara wird im Telegraph zitiert, dass er davon ausgehe, dass 99% seiner Kunden Muslime seien. Im Gegensatz zu vielen Landsleuten und Mitarbeitern seines Hauses, war es ihm als Parsi aber erlaubt, seine alkoholischen Erzeugnisse zu probieren und zu genießen. So auch Whiskys wie Murree’s VAT No.1 oder den 20 Jahre alten Rarest, dem ersten seiner Art aus einem muslimischen Land. Doch in dessen Genuss zu kommen, ist nicht nur aufgrund seiner Limitierung fast unmöglich: Er ist hauptsächlich in Pakistan bei nur wenigen autorisierten Händlern erhältlich.

Murree Brewery

5. Deutschland: Blaue Maus Single Cask Malt Whisky

Ein Beitrag geteilt von Tobi (@tooobi_hh) am

Ein Land, in dem es vor nicht allzu langer Zeit noch für einen Großteil gang und gäbe war, Cola oder Apfelsaft zum „Verfeinern“ von Whiskys zu benutzen, kann man sicher zu den Exoten unter den Whisky-Produzenten bezeichnen. Doch auch hier in Deutschland boomt die Spirituose und mittlerweile gibt es über 150 Whiskybrennereien im ganzen Land; wobei viele die Whisky-Herstellung als Nebengeschäft betreiben. Namhafte Hersteller und Marken aus Deutschland sind zum Beispiel Slyrs, Glen Els oder die Spreewood Distillers (unser Interview mit den Machern hier). Pionier in Deutschland ist jedoch Robert Fleischmann und seine Blaue Maus Destillerie. Diese kann für sich den Titel beanspruchen, die „älteste Single Malt Whisky Destillerie Deutschlands“ zu sein. 1983 wurde, nachdem Fleischmann zuvor nur Obstbrände im Angebot hatte, im fränkischen Eggolsheim der erste Whisky in ein Eichenfass eingelagert. Seitdem sind eine Vielzahl an Varianten hinzugekommen, die Qualität wurde verbessert – so ist der Single Cask Grain Whiskey Austrasier vom Whisky-Papst Jim Murray sogar mit 95,5 von 100 Punkten geadelt worden. Das „Original“ der Destillerie, der Blaue Maus Single Cask Malt Whisky, ist für 43 Euro für die 0,7 l Flasche zu haben.

Whiskydestillerie Blaue Maus

Mehr zum Thema WHISKY unter anderem in unserem Interview mit Bastian Heuser von den Spreewood Distillers:

Zu finden unter

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