Kochbuchkritik - Küchenzeilen: Gefüllt, gewickelt, gerollt | FOODBARN
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Essen in Essen einzuwickeln kann nicht nur gut schmecken, sondern auch beim Zubereiten viel Spaß machen. Jetzt gibt es ein Kochbuch, das sich bemüht, diese Gerichte in eine Klammer zu fassen. Eine gute Idee – mit inhaltlichen Schwächen.

Text: Grischa Rodust
Fotos: Julia Stix

Karin Stöttinger hat einen Foodblog, arbeitet halbtags in einer Personalverrechnungsabteilung und hat soeben ein weiteres Kochbuch auf den Markt gebracht. „Gefüllt, gewickelt, gerollt“ heißt es und fasst Gerichte zusammen, die auf ebenjene drei Zubereitungsarten zurückgehen. Meistens jedenfalls. Für sich genommen sind die Speisen alle schlüssig, recht einfach zuzubereiten und geben Inspiration für Unter-der-Woche-Gerichte. Nicht mehr – aber auch nicht weniger. 

Was ist die Idee des Kochbuches?

Wie der Name schon sagt: Speisen, die gefüllt werden, gewickelt sind oder gerollt daherkommen. Allerdings werden die Begriffe recht weit gefasst, so dass auch Gnocci oder Zuccini-Frittata in dem Buch auftauchen. Durch das Werk begleitet den Leser die Autorin, die an mehreren Stellen eine Art Selbstinterview abliefert und erzählt, warum ihr was wichtig ist.

Was sind das für Rezepte?

Ein bunter Mix durch die Geschmäcker der Welt, immer ein bisschen eingedeutscht, was den Geschmack angeht. Mexiko, Asien und Italien bilden Minischwerpunkte, in denen genauer auf die jeweilige Küche eingegangen wird. Dazwischen wechseln sich Gerichte wie selbstgebackene Bagel, Avocados mit Mango-Grapefruit-Füllung, Icecream-Cookies oder Chinesische Burritos ab.

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Die mexikanische, asiatische und italienische Küche bilden den kulinarischen Rahmen von „Gefüllt, gewickelt, gerollt“.

Und wie ist der Sound des Buches?

Ein bisschen gewollt individuell. Karin Stöttinger, die Autorin und Bloggerin, ist keine Unbekannte im Kochbereich. Von ihr stammen bereits Werke wie „Low Carb Shaking Salads“ oder auch der Vorgänger „Shaking Salads“. Im Buch gibt sie dann ein paar Einblicke in ihre Gedankenwelt, wobei sich jeder, der nicht regelmäßig ihren Blog liest, fragt: Wer ist diese Frau und was mag es mir wohl bringen, zu erfahren, was ihr mexikanischer Lieblingsstyle ist?“ (Es ist „Dip it, baby!“ (sic)).

Ist auch etwas fürs Auge dabei?

Jup. Jedes Rezept bekommt sein Bild, alles ist zeitgemäß und ansprechend in Szene gesetzt. Dort, wo Fragen zu bestimmten Zubereitungsarten aufkommen könnten, gibt es kleine Skizzen, die zeigen, wie man die Speisen wickeln und zubereiten kann.

Wie sieht es mit dem Schwierigkeitsgrad der Rezepte aus?

Einfach. Die Zutaten sind überschaubar, und größtenteils in jedem gut sortierten Supermarkt zu bekommen. Und auch die wenigen außergewöhnlichen Dinge lassen sich gut besorgen oder durch Alternativen ersetzen, wir sprechen da von Dingen wie Sweet Bean Sauce, Miso, Mirin oder Zitronenthymian. Zu lange sollte man für die Zubereitung nicht am Herd verbringen und auch das Aufessen gestaltet sich dann handfest und einfach.

Und das beste Rezept?

Involtini mit Tomaten-Auberginen-Gemüse schmeckt wunderbar und ist leicht zuzubereiten. Den Tiefkühlspinat könnte man gut gegen frischen tauschen, oder, wie im Kochbuch erwähnt, gleich gegen Parmaschinken auswechseln. So oder so, eine gelungene, sehr gut schmeckende Angelegenheit.

Drei Dinge, die man durch dieses Kochbuch erfährt:

  1. Für die nächste Gartenparty: Einfach Kleinigkeiten in Schinken einwickeln und Salate und Obst in ausgehöhlten Früchten servieren, zack, alle glücklich und beeindruckt.
  2. Eine Tortilla-Presse für die heimische Küche macht viel her, ist praktisch und damit durchaus eine Überlegung wert.
  3. Die Autorin mag Koriander. Sehr.
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Dei Gerichte werden in dem Kochbuch „Gefüllt, gewickelt, gerollt“ ansprechend in Szene gesetzt und sind meist relativ simpel in der Zubereitung.

DAS URTEIL

Innere Werte

Ein bisschen zu einfach, ein bisschen zu selbstreferenziell – aber auch mit vielen guten Einfällen dazwischen. 3 von 5 Punkten

Aussehen

Angenehm, ansprechend, anständig – die Bilder sind Begleitmusik und bei diesem Buch ist das auch völlig in Ordnung so. 4 von 5 Punkten

Alltagstauglichkeit

Sehr hoch. Die Rezepte lassen sich ohne große Mühen unter der Woche einbauen oder fürs Wochenende weiter ausbauen. 5 von 5 Punkten

 GESAMTWERTUNG: 4 von 5 Punkten

DIE NACKTEN FAKTEN

Anzahl der Rezepte: 72
Autorin: Karin Stöttinger
Umfang: 176 Seiten
Verlag: Brandstätter Verlag
Sprache: Deutsch
Preis: 21,90 EUR
Bezugsquelle: Brandstätter Verlag

DREI SÄTZE ZUM SCHLUSS

Warum sich das Buch oft um die Autorin dreht, diese aber kaum vorgestellt wird (wenn man von den etwas holprigen Selbstinterviews absieht), bleibt rätselhaft. Die Rezepte eignen sich gut als Inspiration für Gerichte unter der Woche und gelingen ohne Umschweife. Eine nette Ergänzung im Kochbuchregal, kein Muss.

Mehr Informationen zum Buch: Brandstätter Verlag

Weitere Kochbuch-Rezensionen findet ihr in unserer Reihe KÜCHENZEILEN.

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