Die Kistenkocher - Spitzpaprika, -kohl und weitere (sächsische) Spitzfindigkeiten | FOODBARN
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Die Idee hinter einer Obst- und Gemüsebox war mir schon immer sympathisch. Trotzdem konnte ich mich lange nicht dazu durchringen, einen großen Teil meines Lebensmittel-Budgets auf einmal dafür auszugeben und gleichzeitig wenig Einfluss auf den Inhalt zu haben. Die Auswahl in den Obst- und Gemüseabteilungen der Supermärkte brachte aber auch keine Lösung meiner first-world-problems: Regelmäßig stand ich da und zerbrach mir den Kopf, was diesmal in den Korb wandern sollte. 

Das Angebot der Gemüseretter Etepetete überzeugte mich schließlich doch. Regelmäßig klingelt nun eine Kiste voll Gemüse und Obst mit Schönheitsfehlern an meiner Tür. Und hier erzähle ich, wie es ist, wieder mit dem hantieren zu müssen, was auf den Tisch kommt. Oder in die Kiste.

Text: Laura Vorsatz

Besonders stark freute ich mich diese Woche über den gelieferten Spitzkohl, der zu meinem Glück aufgrund einer (minimal sichtbaren) angebräunten Spitze als unverkäuflich erklärt wurde. Nachdem ich das Foodbarn’sche Rezept zum Spitzkohl-Slaw schon mit dem Weißkohl der vierten Kistenkolumne interpretiert hatte, begab ich mich auf Inspirationssafari in diesem Internet. Heraus kam ein Curry, das vor allem aus dem in Streifen zerlegten Kohl, Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer sowie Kartoffeln und Karotten bestand.

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Unverkäuflich wegen angebräunter Spitze. Mhm, stimmt schon, sieht echt ungenießbar aus. Weg damit. (Foto: Laura Vorsatz)

Neu war für mich das schlussendliche Hinzugeben von roten Linsen, die im Sud köcheln konnten. Hatte was von Konfetti im Festivalmatsch, richtig schön sah das aus. Was mich persönlich fast genauso reizt, wie ein gediegener Walzer im kniehohen Festagsschlamm, sind Fakten aus der Rubrik des unnützen Wissens, die es dennoch immer wieder schaffen, dass ich mir so richtig investigativ vorkomme. Da müsst ihr jetzt durch.

Es geht um Currypulver. Schließlich trägt das Zeug das gesamte Gericht und benennt es anscheinend auch recht wahllos: Hauptsache es ist Mischmasch mit Currypulver. Aber jetzt von vorn, fundierter: Das Pulver ist der indischen Küche zwar im 19. Jahrhundert nachempfunden wurden, findet auf dem Subkontinent jedoch gar keine Anwendung. Denn um der Simplizität des Lebens zu frönen, ersetzten britische Köche die verschiedenen frisch gemahlenen Gewürze, die die indischen Gerichte sonst ausmachen, mit der Gewürzmischung.

India, Goa, Anjuna, plastic bags of spices on market
In der indischen Küche werden sehr viele einzelne Gewürze für ein Curry verwendet – mehr über die Küche Indiens erfahrt ihr, wenn ihr auf das Bild klickt. (Foto: GettyImages)

Somit benannten also eher die mitgebrachten Gerichte der Indien-Heimkehrer das Pulver und nicht andersherum. Die übliche Vielzahl zugegebener Gewürze rattert übrigens das halbe Alphabet durch. In Variationen geht es da von Bockshornklee über Cumin zu dem farbgebenden Kurkuma, Koriander und Pfeffer bis Zimt – und so einigem, was dazwischen noch so möglich ist. Da ist so eine Vereinfachung dieser total übertriebenen würzigen Hingabe ja schon wieder völlig nachvollziehbar…

…weiiiißte Bescheid. Nach so viel Klugscheißerei lehne ich mich zurück und esse ein, zwei Prunus domestica subsp. domestica. Nicht zu verwechseln mit der Kultur-Pflaume, ist die echte Zwetschge leichter vom Kern zu lösen und enthält weniger Wasser, so dass sie sich besser zum Backen eignet. In diesem Sinne sei das Rezept zu unseren Zwetschgenknödeln empfohlen. Das wohl Edelste, was dem Obst passieren kann – wie die lang ersehnte Füllung einer hochwertigen Praline wird sie ummantelt und eingezuckert. Das nenne ich Aufwertung.

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Mit einem Klick aufs Bild und dann gerade mal 90 Minuten Aufwand wähnt ihr euch im Zwetschgenknödelhimmel (einer der begehrtesten unter den überirdischen Aufenthaltsräumen, also beeilt euch). (Foto: Annabell Sievert)

So gut wie die Ideen ungarischer (österreichischer, tschechischer) Köche zur Verwendung von Zwetschgen sind, scheint es sinnvoll, sich auch weiterhin in diese Richtung der Kulinarik zu orientieren. Genau genommen sind es die Spitzpaprika, die mich dazu verführen, den Kurs gen Mitteleuropa zu halten. Ungarisches Lecsó ist das Ziel. Das Aussprechen des eingedeutschten Titels lässt mein Kinn in geerbter Ossi-Manier nach vorne schnellen – Letschouu – abor schmekkn tuts halt! Passe uff: Brätste Zwiebelschn in Buddar ann, packste Bapprikka und Tomadn druff, gießt’s mit Wassar uff und lässt’s köscheln. Und gudd is. Na bissl würzn viellei noch.

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Das is ne Spizzbapprikka. Odar halt viere. (Foto: Laura Vorsatz)

Zum Schluss möchte ich euch gern zu einem neuen Service dieser Kolumne einladen: Im folgendem psychodiagnostischem Test könnt ihr eurem wahren Ich begegnen. Was seht ihr im folgenden Bild? Schreibt es mir per Mail und ich sage euch in höchstem Maße wissenschaftlich validiert, reliabel und objektiv, wer ihr seid.

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Was seht ihr im folgenden Bild? Schreibt es mir per Mail und ich sag euch, wer ihr seid. (Foto: Laura Vorsatz)

Worauf kochende Amateure wie ich so kommen, wenn ihnen die Zutaten vorgesetzt werden, gibts nun jede Woche auf Foodbarn.

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