Die Kistenkocher - Was hat die Aubergine nur falsch gemacht? | FOODBARN
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Die Idee hinter einer Obst- und Gemüsebox war mir schon immer sympathisch. Trotzdem konnte ich mich lange nicht dazu durchringen, einen großen Teil meines Lebensmittel-Budgets auf einmal dafür auszugeben und gleichzeitig wenig Einfluss auf den Inhalt zu haben. Die Auswahl in den Obst- und Gemüseabteilungen der Supermärkte brachte aber auch keine Lösung meiner first-world-problems: Regelmäßig stand ich da und zerbrach mir den Kopf, was diesmal in den Korb wandern sollte. 

Das Angebot der Gemüseretter Etepetete überzeugte mich schließlich doch. Regelmäßig klingelt nun eine Kiste voll Gemüse und Obst mit Schönheitsfehlern an meiner Tür. Und hier erzähle ich, wie es ist, wieder mit dem hantieren zu müssen, was auf den Tisch kommt. Oder in die Kiste.

Text: Laura Vorsatz
Fotos: Gino Giove & Annabell Sievert

Besonders schön strahlt mir dieses Mal eine weiß-violett marmorierte Aubergine entgegen. Wie sooft ohne erkennbare Makel – aussortiert wurde sie laut etepetete wegen Übergröße und/oder Verformungen. Wer hat sich nur diese Kategorien ausgedacht? Frage ich mich nicht zum ersten Mal…

Kistenkolumne Etepetete
Krass verformt und krass groß. Nicht.

Ich kenne kein Rezept, das die Schale der Aubergine ins Rampenlicht stellt (Vorschläge sind willkommen) und allzu viel Zeit ist gerade sowieso nicht. Das Ergebnis meiner Kochaktionen in kleinen Zeitfenstern beinhaltet wie sooft: Pasta! Damit die Tomatensauce kein reines Dosenfutter bleibt, ist den gelieferten Rispentomaten aus demeter-Überproduktion ein Platz in der Pfanne sicher. Wie ich im Zuge meiner verantwortungsvollen Position als Kisten-Kolumnistin herausfinden konnte, muss der grüne Strunk der Tomaten übrigens nicht unbedingt entfernt werden. Er enthält zwar eine minikleine Menge des Naturgifts Solanin, der geneigte Homo consumens müsste allerdings mindestens dreißig größere Tomaten essen, um sich auch nur ansatzweise zu vergiften.

tomaten
Achtung! Diese Menge Tomaten reicht noch lange nicht, um dich mit ihren giftgrünen Strünken um die Ecke zu bringen. 10 weitere Fakten gibts, wenn du auf das Bild klickst.

Die Sauce (ich liebe unübersehbare Professionalität dank einer frankophilen Schreibweise) wird ein bodenständiger Mix aus Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten und Basilikum – schließlich soll die Aubergine die Hauptrolle spielen. Nicht aber eingeweicht im Tomatensumpf, sondern in Form von extra fein geschnittenen, kreisförmigen Scheiben. Diese werden gegen lauernde Altersbräune mit dem Allheilmittel Zitrone beträufelt und gesalzen, damit etwas Wasser austritt. Abgetupft dürfen sie es sich nun ganze 20 Minuten bei 180°C im Ofen gemütlich machen.

Während die Sauce köchelt und die Aubergine an ihrem Teint arbeitet, kochen sich die Spaghetti in Meerwasser-salziger Rohrperle al dente. In der Zwischenzeit legen sich die paar geretteten Radieschen fast wie von selbst ein: Waschen, putzen, mit Wasser wiegen, 2% Salz dazu, fertig. Wie was wo? Hier gibts nochmal die Anleitung in ausführlich. Ob Spargel, Radieschen oder sonstiges Gemüse – die Milchsäurebakterien werden so oder so dür dich arbeiten.

Annabell Sievert Vadim Otto Ursus spargel fermentieren einlegen b34
Ob Spargel, Radieschen oder anders gemüsig – an der Anleitung zum Einlegen ändert das nichts.

Die Nudeln landen nun im Abtropfsieb, natürlich OHNE sie abzuschrecken. Wer macht denn sowas… Eine Kelle der Tomatensauce dazu und das elendige Zusammenkleben der Pasta wird durch die Verschmelzung mit Sauce ersetzt. Erst beim Anrichten ist die Aufmerksamkeit wieder vollends bei der Aubergine: Entweder okkupierenderweise auf dem Pastaberg oder Wache liegend drumherum – in ihrer Vereinigung schmeckt der italienische Klassiker so oder so.

Am nächsten Morgen erinnert mich ein kleiner Fruchfliegenschwarm an das, was schon gestern zum Dessert hätte werden müssen: Ein Tüte Blaubeeren. Bisher habe ich sowas in aller Heimlichkeit trotzdem gegessen, jetzt bestätigt meine Recherche das besonnene Bauchgefühl: Selbst wenn die Tiere bereits auf dem Obst gesessen haben – sind die matschigen Beeren aussortiert und der Rest gewaschen, kann es bedenkenlos gegessen werden.

Was nun damit passieren soll, ist ganz schnell klar: Pancakes! Pfannkuchen! Eierkuchen! Mit Blaubeeren. Heidelbeeren,  Schwarzbeeren, Waldbeeren. Nenn‘ sie doch, wie du willst! Ist alles dasselbe. Schmeckt immer gut. Und Banane passt auch dazu.

Blaubeer-Buttermilch Pancakes
Ein Klick auf das Bild führt dich zum ultimativen Frühstücksrezept.

Worauf kochende Amateure wie ich so kommen, wenn ihnen die Zutaten vorgesetzt werden, gibts nun jede Woche auf Foodbarn.

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