Die Kistenkocher - Küchenparty mit Nicola, Sieglinde und Bettina | FOODBARN
Foodbarn Logo
Foodbarn Logo

Die Idee hinter einer Obst- und Gemüsebox war mir schon immer sympathisch. Trotzdem konnte ich mich lange nicht dazu durchringen, einen großen Teil meines Lebensmittel-Budgets auf einmal dafür auszugeben und gleichzeitig wenig Einfluss auf den Inhalt zu haben. Die Auswahl in den Obst- und Gemüseabteilungen der Supermärkte brachte aber auch keine Lösung meiner first-world-problems: Regelmäßig stand ich da und zerbrach mir den Kopf, was diesmal in den Korb wandern sollte. 

Das Angebot der Gemüseretter Etepetete überzeugte mich schließlich doch. Regelmäßig klingelt nun eine Kiste voll Gemüse und Obst mit Schönheitsfehlern an meiner Tür. Und hier erzähle ich, wie es ist, wieder mit dem hantieren zu müssen, was auf den Tisch kommt. Oder in die Kiste.

Text: Laura Vorsatz
Fotos: Laura Vorsatz & Gino Giove & Yelda Yilmaz

Nicola ist am Start. So wie Bettina letzte Woche. Und Sieglinde hatte sich auch erst neulich in meiner Küche breit gemacht. Was mich meistens davon abhält, sie in Stücke zu reißen, ist ihre Hartnäckigkeit. Gefühlte Ewigkeiten aalen sich die Damen in wärmsten Wonnen und glucksen vor sich hin, bis sie sich endlich ihrem Schicksal in Form von Pürees oder Gratins beugen. Dabei sind Nicola und ihre Kartoffelfreundinnen zu unrecht in Verruf geraten: Sie enthalten sogar weniger Kalorien als Bananen. Mit ihrer Schale gekocht sind die Damen ein gesunder Ersatz für eher nährstoffarme Pastagerichte. Gut für mich, denn Zitate alter Freundschaftsbücher verraten: Quark mit ein paar Kartoffeln ist mir das Liebste.

kistenkocher
Schon wieder Kartoffeln? „Die Natur packt unsere Boxen“, sagt etepetete. Wer Gemüse retten will, darf nicht allzu wählerisch sein… Foto: Gino Giove

Eine Vermutung in den Tiefen des Internets legt übrigens nahe, dass Kartoffeln vor allem mit femininen Namen gesegnet werden, weil traditionell die schönste Tochter des Bauernhofs als Inspirationsquelle für die Kartoffeltaufe herhalten durfte. Daran stieß sich 2016 Küchenchef Steffen Sinzinger. Er stieß sich so sehr daran, dass er die Kartoffel in maskulinistischer Art great again maken wollte. Und zwar nicht im Postillon. Der Wahlberliner rief eine Petition beim Bundestag ins Leben mit dem Ziel, „ein ausgewogenes Verhältnis zwischen männlichen als auch weiblichen Kartoffelnamen bei der Sortenbestimmung“ zu schaffen. Ohne Erfolg. Tja. Ob er danach wutentbrannt Kartoffeldamen wie die gute alte „Laura“ zerkochte, bis sie sich auflösten?

Schluss mit stärke-rünstigen Horrorszenarien. Besonders gefreut hat mich diese Woche nämlich ein ganz neuer Herausforderer. Oder ist es eine Herausforderin? Denn das neutrale Weißkohlköpfchen ergab sich sogar als Zutat für zwei Rezepte: Die eine Hälfte zeraspelte und würzte sich nach den Zubereitungsanweisungen des Cole Slaws nach Foodbarn’scher Art und fand Kompanie in den exzentrischen Rotweinnudeln „Spaghetti all’ubriaco„. Diese schmecken allein schon vorzüglich, passten als erkaltetes Restessen vom Vorabend jedoch überraschend gut zum säuerlich-süßen Weißkohlsalat.

weisskohl
Weißkohl: Substantiv, maskulin – Kohl mit grünlich weißen Blättern, die sich zu einem festen Kopf zusammenschließen. Und wer startet jetzt die Petition für mehr Feminismus im Kohlgewerbe? Foto: Laura Vorsatz

Das zweite Rezept entlehnte ich einem echten, analog existierenden Kochbuch namens „Food Swap“. Beim Blättern blieb mein bewundernder Blick an einem überlaufendem Kimchi-Glas hängen: Visuelle Reize brachten so manche Drüse im Munde in Wallung und allein die Vorstellung süßlich-saurer Schärfe ließ mich innehalten. Mit meinem Weißkohl im Gepäck konnte ich dem koreanischen Original mit Chinakohl natürlich nicht ganz treu bleiben, aber watt willste machn, it’s Kisten-Life! Dann eben Kimchi aus der Region. Ein Klick auf das Bild bringt dich zum Rezept aus dem empfehlenswerten Kochbuch FOOD SWAP von Yelda Yilmaz und Swantje Havermann.

food-swap_edel-books_pressebild-kimchiyelda-yilmaz.jpg
Mit einem Bild-Klick gehts ab zum Kimchi-Rezept. Foto: Yelda Yilmaz

Übrigens nahm ich mir die Anweisung, den Kohl über Nacht in Salzwasser einzuweichen, äußerst stark zu Herzen und fischte ihn 24 Stunden später wieder aus dem Sud. Ist nicht wirklich zu empfehlen, denn die Rezept-Beschreibung „ein bisschen salzig“ deckte sich gar nicht mehr mit dem Weißkohl’schen Charakter, der sich mir präsentierte. Zucker kann dem zwar entgegen wirken, doch auch später entpuppte sich das Kimchi als salzig-feuriger Zeitgenosse.

Zu guter Letzt rettete ich zuerst folgende Birnen und dann retteten sie mich: Und zwar als fruchtig-süße Komponente auf einem sonntäglich zusammengeschmissenen Abendmahl. Eine „Pizza“ aus geschroteten Leinensamen, Parmesan, Eiern und etwas Salz. Aufgequollene Chiasamen könnten das Ei auch ersetzen und Käse ist ja eh reine Geschmackssache, aber spätestens beim Belag tanzen Schmand, Ziegenkäse und Birnen untergehakt Sirtaki und aller Veganismus enthebt sich meiner aktuellen Realität. Nächstes Mal! Oder für euch schonmal zur Überbrückung hier unsere vegane Rezeptsammlung.

birne
Wer diesen ganzen Hype um Gesundheit und Veganismus eh nicht so feiert, klicke mal auf das Bild und entdecke eine Quiche, die sich neben Hackfleisch und Wirsing auch mit Ziegenkäse und Birnen vergnügt. Foto: Laura Vorsatz

Worauf kochende Amateure wie ich so kommen, wenn ihnen die Zutaten vorgesetzt werden, gibts nun jede Woche auf Foodbarn.

Lust auf mehr? Alle FOODBARN Kolumnen findest du hier.

Zu finden unter

Darf's ein bisschen mehr sein?

Anzeigen