Verliebt ins Land der Gegensätze: Das kulinarische Indien | FOODBARN
Foodbarn Logo
Foodbarn Logo

Kaum ein Land ist so divers, so anders, so spannend und aber vielleicht auch so einschüchternd für viele von uns Europäern wie das ferne Indien. Wer nie dort war, kann kaum begreifen wie vielseitig das Land ist, Heimat etlicher Völkergruppen, Kulturen und Religionen. Kein Wunder, dass es kulinarisch auch eine Menge zu bieten hat. 

Text & Fotos: Maren Aline Merken

Man sagt, es gäbe keine neutrale Einstellung gegenüber Indien. Entweder man liebe das Land, in dessen Städten es oft so laut, hektisch, bunt und dreckig zugeht, das einem schon mal der Atem stocken kann, oder man hasse es, einfach weil es so fremd und anders ist, dass man sich nicht damit anfreunden kann.

Kulinarisch gesehen assoziieren die meisten vor allem indische Currys mit dem Land der heiligen Kühe. Dabei hat Indien weitaus mehr zu bieten als das indische Lokal nebenan, das oftmals versucht Gäste mit möglichst günstigen Cocktails in das üppig dekoriertes Ladenlokal zu locken. Im Land selbst präsentieren vor allem große Hotels an den europäischen Gaumen angepasste Gerichte; Indien light sozusagen, um uns gerecht zu werden und die Zunge nicht mit prickelnder Schärfe oder allzu fremder Würze zu überfordern. Wer das echte Indien schmecken will, muss raus aus den klimatisierten Hotels, rein ins wahre Indien, an die Straßenstände, in urige Straßenküchen und kleine Stadtrestaurants.

Einflüsse von Besetzern, Eroberern, Mogulen

Indien ist immer auch das Erbe seiner Besetzer. So wie die Portugiesen in Goa die Küstenbewohner beeinflusst haben, so wird man an vielerlei Orten auf britische Einflüsse treffen. Traditionell wird in dem großen, vielschichtigen Land mit der Hand gegessen, genauer gesagt mit der rechten Hand. Die linke gilt auch heute vielerorts noch als unrein und würde die mitessenden Einheimischen vor allem empören.

Das oben genannte indische Curry ist im ganzen Land allgegenwärtig. Allerdings hat es mit dem gelblich-orangen Pulvergewürz, das wir gerne mal in der Küche nutzen, nichts zu tun. Das wird in der Tat fast ausschließlich für den Export produziert. Der Begriff Curry bezeichnet in Indien eine mit unterschiedlichen Gewürzen und verschiedenen Gemüsen zubereitete Sauce, für die jeder Koch ein ganz eigenes Rezept hat. Das variiert auch nach Region – die Küche des Nordens ist ganz anders als die den Südens, wo man oft vom Bananenblatt isst und Fischgerichte auch gern in diesen Blättern auf dem Grill zubereitet. Im Süden wird auch vermehrt Reis gegessen, egal ob durchmischt mit Gemüse oder als Beilage zu saucenlastigen Fleischgerichten.

indien-markt

Indische Restaurants sind in Europa vor allem bei Vegetariern beliebt: zu Recht. Die indische Küche hält eine Vielzahl von raffinierten vegetarischen Gerichten bereit, die vor allem im Süden verboten scharf sein können. Doch auch wer Fleisch essen möchte, kommt in ganz Indien auf seine Kosten. Kühe werden aufgrund ihres Heiligenstatus‘ nicht geschlachtet und verzehrt, ebenso verzichten die meisten Inder auf Schweinefleisch in ihren Gerichten. Bei den Hindus gilt es nahezu als unrein; ebenso wie bei den Muslimen, deren Religion den Verzehr von Schwein verbietet.

Ausgenommen ist davon Goa, welches sich die Traditionen der portugiesischen Besetzer angeeignet hat und vielerorts noch Gerichte mit Schweinefleisch und leckere Schweinewurst anbietet. Im Rest des Landes sind also Geflügel und Lamm die beiden Fleischsorten, die verzehrt werden. Sie werden Currys zugefügt oder traditionell gewürzt im Tandoor – einem eindrucksvollen Tonofen – zubereitet. Da grummelt es gleich vertraut in der Magengegend.

Heiß, heißer, indisches Essen

Die Inder lieben scharfes Essen und mit scharf ist auch wirklich sehr scharf gemeint. Nur wer im Vorhinein mit Nachdruck vermittelt, nicht so scharfes oder gar mildes Essen zu wollen, hat die Chance auf ein Gericht, das für unsere Begriffe schon grenzwertig scharf ist. Größter Fehler? Mit Wasser, Tee oder Bier zu löschen! Hier hilft Roti, Chapatti oder Paratha, die indischen Teigfladen, oder noch besser Joghurt und/oder Gurke, die zum Neutralisieren gereicht wird.

Nach Käse sucht man in indischen Gefilden nahezu vergeblich. Das einzig Käseähnliche was hier serviert wird, ist Paneer, eine Zwischenform von Hütten- und Frischkäse, der gerne mit Spinat (Palak paneer) gereicht wird.

indien-dehli

Eine besondere Küchenrichtung ist die Mogulküche auch Muglaiküche genannt. Sie stammt aus Hyderabad und Lucknow und hat viele arabische und persische Einflüsse – ein Erbe aus der Zeit der Mogule. Sie überrascht mit traditionellen Rezepten wie Biriyani, einem Reisgericht mit Rosinen, Nüssen, Gewürzen, Fleisch und Gemüse, häufig in Butter angeschmort. Vor allem Lammfleisch spielt hier eine zentrale Rolle, aber auch Hammel- und Ziegenfleisch findet immer wieder Verwendung in den Gerichten der Mogulküche.

Eine weitere Köstlichkeit, die kulinarisch Interessierten sicherlich ein Begriff ist, ist das Chutney. Eine süß-saure Soße, die mit Gemüse oder Obst angereichert und damit noch raffinierter wird. Ein Chutney wird traditionell frisch zubereitet und zu Fleisch und Fisch gereicht. In den europäischen Breitengraden isst man Chutney oft zum Käse.

Getrunken werden darf in India natürlich auch. Als Snack zwischendurch, aber auch wunderbar neutralisierend zu all den scharfen Leckereien, ist der Lassi, ein salziges oder süßes Joghurtgetränk, das pur oder mit Früchten genossen wird. Gerne getrunken wird auch Lemon Soda – Sprudelwasser mit einem Spritzer frischer Zitrone. Generell muss in Indien mehr noch als in anderen asiatischen Ländern darauf geachtet werden, Wasser nur aus verschlossenen Flaschen zu konsumieren. Wer Leitungswasser erwischt, muss sehr wahrscheinlich kulinarisch erst mal zurückstecken.

indien-verkauefer-foodbarn

Guter Wein ist fast Fehlanzeige in Indien. Zwar gibt es einige Anbaugebiete, die auch einige überraschend gute Weine produzieren, doch nur ein sehr kleiner Prozentsatz der indischen Bevölkerung trinkt überhaupt Wein. Dafür gibt es aber tolles süffiges Bier – am liebsten mögen wir Kingfisher.

Last but not least: Tee! Überall wird Chai gereicht und der ist nicht nur unbegreiflich exotisch, sondern auch lecker. Und spätestens dann, wenn der Masala Chai gemischt mit Milch den Rachen hinunter rinnt, merkt man es: Das erneute Kribbeln in der Magengegend. Die leichte Röte, die einem in die Wangen steigt, wenn man das Treiben um sich herum betrachtet und das auffällige Herzklopfen, wenn der Kellner das herrlich duftende Mittagessen an den Tisch bringt. Und schwups: Liebt man es. Das vielseitige, bunte, laute, manchmal stinkende, aber oft eben duftende Indien.

 

Lust auf die Indische Küche bekommen? Dann schmecken dir bestimmt auch unsere leckeren TANDOORI-MASALA-ROULADEN.

Zu finden unter

Darf's ein bisschen mehr sein?

Anzeigen