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Bier ist nicht gleich Bier – das dürfte spätestens in den letzten Jahren mit dem IPA- und Craft-Beer-Boom bewusst geworden sein. Es gibt mittlerweile etliche moderne, kleine Brauereien verstreut über die gesamte Bundesrepublik, die das Thema Bier jung, modern, innovativ und trotzdem sehr traditionell aufziehen. So wie die Brauerei Kürzer in Düsseldorf ihr Altbier. Wir stellen die junge Brauerei vor.

Text: Maren Aline Merken
Fotos: Luisa Merken

Die Geschichte der kleinen Hausbrauerei ist schnell erzählt: Gastronom Hans-Peter Schwemin ist eine Institution in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt – seine Kneipen Schaukelstühlchen, Quetsche und Engelchen gehören seit langem zum Bild der Altstadt dazu. Man kennt ihn und man kennt sich. Doch sein eigentlicher Traum war kaum jemandem bekannt: Ein eigenes Altbier zu brauen.

Als das Ladenlokal, das heute das Kürzer beheimatet, frei wird, ergreift Schwemin seine Chance und setzt seinen Plan kurzerhand in die Tat um. Alles wird komplett umgebaut. Eine neue Decke muss her, stark genug um Gär- und Lagertanks zu halten. In den Hinterhof wird per Kran die Brauanlage hineingesetzt. Rund 1,5 Millionen Euro investiert Schwemin und das ohne jegliche Sicherheit, ob seine Idee ankommt und das Konzept funktioniert – schließlich sind in der Nachbarschaft einige klassische und etablierte Hausbrauereien beheimatet.

Duesseldorf Altstadt Foodbarn Feature
In der Düsseldorfer Altstadt reiht sich Gaststätte an Gaststätte In der Düsseldorfer Altstadt ist die Brauerei Kürzer beheimatet

Zehn Jahre ist das her. Seit gut sechseinhalb Jahren wird mitten in der Altstadt nicht nur das Kürzer Bier gebraut, sondern auch ausgeschenkt. Die anderen Brauereien reagierten gar nicht bis freundlich auf die Eröffnung. Direkte Konkurrenz hatten sie nicht zu befürchten, denn das Konzept der jungen Kürzer Brauerei ist ein ganz anderes.

Patrick Walsdorf ist Teil des Teams und schon lange im Biergeschäft. Mit 19 hat er als Kellner angefangen und ist heute Geschäftsführer der Brauerei Kürzer. Er erklärt das Konzept so: „Das ist natürlich mal etwas anderes in der etablierten Düsseldorfer Altstadt. Wir sind die erste neue Brauerei vor Ort seit 100 Jahren. Das gab uns von Anfang an die Möglichkeit, das Bierbrauen auch als innovative Spielwiese zu nutzen.“ Vor allem Braumeister Michael Burkhardt hatte die Möglichkeit sich zu entfalten. Herausgekommen ist ein süffiges Altbier, dass man gut trinken kann und dem die Bitterkeit vieler anderer Altbiere fehlt.

Das macht es auch für Frauen interessant – und das fällt auf. „In unserem Ausschank ist der Frauenanteil immens hoch, was eher selten ist in der Szene“, erklärt Walsdorf. Generell ist die Zielgruppe eine andere als die der großen, etablierten Brauereien. Sie ist deutlich jünger und diverser. Am späten Nachmittag verjüngt sich das Publikum vor dem Kürzer auf etwa Mitte dreißig. „Je später es wird, desto jünger wird auch das Publikum. Wir spielen als einziger Ausschank auch den ganzen Abend Musik; das zieht natürlich auch jüngere Gäste an. Nachts, wenn es so auf ein oder zwei Uhr zugeht, kommt es durchaus vor, dass das Durchschnittsalter der Gäste bei Mitte 20 liegt“, weiß Patrick Walsdorf.

Kürzer Altbier Düsseldorf Foodbarn Feature
Hellbraun schimmert das süffige Altbier Hellbraun schimmert das süffige Altbier

Auch die Musik die gespielt wird, ist anders. „Wir sind keine Partymeile, bei uns läuft keine zu kommerzielle Musik“, sagt Patrick. „Wir haben es gern alternativ und sehen uns als Ort für echte Düsseldorfer – aber eben auch für Touristen.“ Und das kommt an: Die Kürzer Brauerei feiert knapp sieben Jahre nach Eröffnung echte Erfolge. Am Wochenende brummt der kleine, zeitgemäß eingerichtete Laden auf der Kurzen Straße, in dem das gebraute Alt aus Glasfässern gezapft wird. 1,90 Euro kostet ein 0,2l-Glas Bier. Der Flaschenkauf für den Hausgebrauch schlägt mit 1,70 Euro zu Buche, darauf kommen noch mal 50 Cent Pfand.

Auch in unterschiedlichen Gastronomien wird das Kürzer Bier serviert, viele ansässige Getränkemärkte verkaufen es. „Im Raum Düsseldorf sind wir solide vertreten“, weiß Patrick Walsdorf. Aber auch international gibt es den ein oder anderen Abnehmer: „In Russland – genauer in Sankt Petersburg und Moskau gibt es ein paar Feinkostläden, die bei uns ordern. Es ist auch schon mal vorgekommen, dass wir nach Japan geliefert haben, weil es dort Restaurants gibt, die das Kürzer gelistet haben.“

Kürzer Brauerei Düsseldorf Bietank Foodbarn Feature
In der Düsseldorf Altstadt gebraut, in der Welt getrunken. In der Düsseldorf Altstadt gebraut, in der Welt getrunken.

Bilanz nach den ersten Jahren? Es läuft gut, fast zu gut. Die Anlage könnte alle acht Stunden neues Bier produzieren, doch so langsam wird allerdings die Kapazitätsgrenze erreicht. Zudem sind die Gär- und Lagertanks nicht groß genug für die vorherrschende Nachfrage.

Im Kürzer trifft alte Tradition auf eine moderne, neue Art der Bierkultur und wird damit zum Hotspot der Düsseldorfer Altstadt. Was man hier zu Craftbeer sagt? Geschäftsführer Patrick Walsdorf sieht das Phänomen so: „Ich bin Bierfan und ich finde lokal trinken super – natürlich trinke ich sehr gern unser eigenes Bier, aber auch gern mal zum Beispiel ein leckeres Uerige“, sagt Walsdorf. „Craftbeer ist interessant, aber auch häufig kein Bier, dass man auf Masse trinken kann, weil es eben schwieriger zu konsumieren ist.“

Das Problem was Craftbeer habe, sei auch, dass es hip und cool ist. „Das wollen wir nicht werden, denn was hip ist, geht auch irgendwann wieder vorbei. Moden ändern sich“, erklärt er. „Und was ist schon Craftbeer? Handgemachtes Bier – das machen wir auch.“ Und das mit Bravour und dem Anspruch das etwas angestaubte Image einer klassischen Hausbrauerei zu verändern. Denn Brauhauskultur kann auch jung, alternativ und tolerant sein.

Wir empfehlen bei der nächsten Reise nach Düsseldorf mal der Brauerei Kürzer einen Besuch abzustatten.

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