Let’s Braai: Südafrikas Liebe fürs Grillen | FOODBARN
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Amerikaner lieben ein saftiges T-Bone-Steak beim traditionellen BBQ, in Deutschland gehört eine leckere Rostbratwurst einfach dazu, sobald das Wetter besser wird. Und in Südafrika? Da heißt das Ganze Braai und ist mehr als ein einfacher Grillnachmittag. 

Text: Maren Aline Merken

Braai ist ein Happening, ein soziales Event. Es ist das Äquivalent zu Hausparties, Sonntagen mit der Familie, zu Clubbing als auch gesetztem Dinner. Beim Braai lernt man sich kennen. Man tauscht sich aus, man verbringt einen Tag mit Essen, kühlem Bier oder Weißwein und im Kreise seiner Freunde. Braai ist relaxed, Braai ist casual, Braai ist urban. Und zwar für jedermann. Aber: Es gibt Regeln! Zumindest gab es die lange Zeit. Langsam, aber sicher brechen auch hier Strukturen auf und man lässt sich auf Veränderungen ein. Denn traditionell steht beim Braai der Mann am Grill, die Frau kümmert sich dafür um die Beilagen. Eine klare und klassische Rollenverteilung, die sich nach und nach lockert.

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Die klassische Rollenverteilung beim Braai lockert mehr und mehr auf

Der Weg zum Fleisch ist das Ziel

Egal ob im privaten Garten, auf der hauseigenen Veranda, im Park, am Straßenrand oder am Strand, ob mit fünf oder 50 Personen, ein Braai ist immer ein Event. Und: Es geht hier fast mehr um die Rituale und den sozialen Charakter, als um festgelegte Rezepte.  Im Gegensatz zum deutschen Grill wird ein echter Braai-Stand mit richtigem Holz befeuert – nicht mit herkömmlicher Kohle. Ein Grund dafür ist, dass das oft stundenlange Vorbereiten als Teil des geselligen Rituals essentiell ist. Hier geht es nicht um ein schnelle Zubereitung und eine rasche Belohnung für den Magen, sondern um den gesamten Vorgang: Der Weg zum Fleisch ist das Ziel.

Ein Braai beginnt mit dem Anmachen des Feuers und endet mit dem letzten Stück Fleisch, welches vom Rost genommen wird. Das kann schon mal einen ganzen Tag dauern. Zu Beginn gibt es kleine Appetithappen, die die Gäste vom Grill fern halten sollen. An dem soll eigentlich nur der Braaier selbst stehen; also der, der für Fleisch und Feuer verantwortlich ist. Noch entspannter und lockerer ist ein Bring & Braai. Hier bringt jeder Gast etwas zu Essen mit und man gestaltet den Braai so noch sozialer und abwechslungsreicher.

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Ohne Boerewors geht beim Braai in Südafrika nichts.

Die Boerewors ist ein Muss

Zum Standard auf dem Grill gehören in Südafrika definitiv Lamm und Rind. Und natürlich – und das ist wahrlich ein Muss – die Boerewors. Die südafrikanische Bratwurst (Boerewors heißt auf afrikaans Bauernwurst) besteht aus Rind, manchmal gemischt mit Wild, und ist gut gewürzt. Aber Afrika wäre nicht Afrika, wenn zusätzlich zu Rind und Lamm nicht auch für unsere Verhältnisse exotisches Fleisch auf den Rost wandern würde: Strauß findet genauso seinen Platz wie Antilope, in Südafrika ist es das schmackhafte Kudu.

Braai ist Völkerverständigung und wird von allen in Südafrika praktiziert. Mit „alle“ sind hier wirklich alle gemeint: Die Tradition zieht sich durch sämtliche ethnische Gruppierungen und soziale Schichten. In schwarzen Communities wird beim Braai traditionell Meali Pap und Chakalaka gegessen. Meali Pap ist eine Art Maisbrei, der aus Maismehl und Wasser hergestellt wird und recht geschmacklos ist. Chakalaka hebt diesen etwas faden Geschmack auf: Das Relish besteht aus Gemüse und Chillis und sorgt für ordentlich Pfiff. Weiße Südafrikaner reichen oft Beilagen wie Süßkartoffel-Fritten, Toasties mit Käse und Tomaten, unterschiedliche Salaten wie Kartoffelsalat oder einem Salat aus Butternut-Kürbis und Rote Beete zum Fleisch. Süßlich marinierte Sosatie-Fleischspieße sind ein Muss: Das Fleisch – tendenziell Lamm – wird süß mariniert und zwar mit Hilfe von einer Art Marmelade. Oft wird Aprikose verwendet, aber es sind auch andere Früchte erlaubt – ein bisschen Flexibilität darf also sein.

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Emailleschüsseln warten geduldig auf ihre Befüllung.

Emaille für dich

Ist das Fleisch fertig gegrillt, wird es in Emailletöpfen oder -schalen mit Deckeln an den Tisch gebracht, so dass jeder sich nehmen kann. Was in Europas Metropolen langsam ein Comeback erlebt, nämlich Tassen aus Emaille, Emailleschüsseln mit Patina oder Milchkännchen wie zu Omas Zeiten zu benutzen, ist in Südafrika nicht hip und neu, sondern traditionell und schon immer ziemlich cool. Ebenfalls auf dem Grill wird in Emaille-Kannen der eher dünne Farmers Coffee gekocht. Bohnen? Ein klares Nein. Das Kaffeegemisch befindet sich in einer Art Teebeutel und zieht langsam durch. Schmeckt anders, als der Kaffee, den wir gewohnt sind. Interessant, rauchig, rustikal.

Fleisch ist ein Thema, über das man in Südafrika mit jedem sprechen kann: Wer nicht Vegetarier oder Veganer ist, lernt schon in der Kindheit ein gutes Stück Fleisch zu schätzen. Echte Südafrikaner essen ihr Fleisch grundsätzlich maximal medium gegrillt, eher medium rare oder ganz rare. Durchbraten? Fehlanzeige. Das sollte man bei einem soliden Braai lieber gar nicht äußern und so womöglich negativ auffallen.

Braai Feuer Grill BBQ Detail
Braai selbst eigentlich die Bezeichnung für den Grill. In Südafrika wird es aber in jeglicher Form genutzt.

Alles ein Braai

Die Tradition eines rustikalen Grilltags ist im südlichen Zipfel Afrikas so verwurzelt, dass jedes Jahr am 24. September, dem Heritage Tag, der National Braai Day gefeiert wird. Ein offizieller Feiertag für die Grilltradition: Daumen hoch für so viel Liebe zu einem guten Stück Fleisch und guter Gesellschaft.

Das Wort Braai stammt aus dem Afrikaans, eine der elf Amtsprachen Südafrikas. Braaivleis ist das Afrikaanswort für gegrilltes Fleisch, das Wort Braai selbst eigentlich die Bezeichnung für den Grill. In Südafrika wird es aber in jeglicher Form genutzt: Man geht zum Braai, man macht den Braai an, man ist am Sonntag braaien mit Freunden. Braai gehört nicht nur zum kulturellen Erbe, es wird fast als Muss für einen jeden Südafrikaner gehandelt. Die Menschen sind stolz auf diese Tradition und freuen sich, wenn man Interesse zeigt. Spontan bei jemandem zum Braai eingeladen werden, den man eigentlich noch gar nicht richtig kennt? Aber klar doch. So lernt man nicht nur die Menschen, sondern ein wichtiges Stück Kultur kennen.

Grillfans empfehlen wir unsere Reportage über die BBQ-KULTUR IN TEXAS. Ihr wollt lieber selbst als Grillmeister aktiv werden? Dann liefern wir euch mit unseren ZEHN IDEEN ZUM NACHGRILLEN die passende Inspiration.

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