Exotisches Malaysia | FOODBARN
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Tom Yum und Green Curry aus Thailand? So lecker! Würzige Pho und saftige Summer Rolls aus Vietnam? Herrlich. Pekingente und knusprige Frühlingsrollen aus dem mystischen China? Klar doch. Wir sind eigentlich bewandert, was die asiatische Küche betrifft. Es gibt etliche Restaurants mit asiatischer Küche in Deutschland, man kocht zuhause fast selbstverständlich im Wok, Bei Fernreisen probieren wir uns durch unbekannte Köstlichkeiten… Moment, was isst man eigentlich in Malaysia?

Text/Bilder: Maren Aline Merken

Malaysia ist ein bisschen das Stiefkind Südostasiens. In dem Teil der Welt, der mittlerweile von Backpackern und Pauschaltouristen auf der Suche nach dem echten Paradies überrannt wird, nimmt Malaysia die Rolle der unscheinbaren Stiefschwester ein. Man weiß wenig über sie und auch wenn man überlegt, kann man sich kaum erinnern, wie sie aussieht. Dabei ist das kleine Land, das seine Fläche auf zwei Inseln verteilt – die malaiische Halbinsel und Borneo – ein echtes Juwel. Sowohl was die kulturelle Vielfalt als auch die atemberaubenden Landschaften und die kulinarischen Entdeckungen angeht.

Malaysia Frösche
Malaysia bietet eine Vielzahl exotischer Delikatessen. Gebratene Frösche mögen auf Europäer befremdlich wirken, sind in Malaysia jedoch beliebtes Street Food.

Kulturelle Vielfalt

Malaysia ist ein Melting Pot. Die Hauptbevölkerung besteht aus Malaien, Chinesen und Indern – zudem bereichern allerlei andere Einflüsse die Küche des Landes.

Hier wird traditionell mit den Fingern gegessen, zumindest von Indern und Malaien. Die Chinesen bleiben ihrer heimischen Kultur treu und nutzen Stäbchen – zum Leid vieler Touristen, bei denen der Akt der Nahrungsaufnahme so eher zu einem wilden Spiel mit zwei Holzstäbchen verkommt und die Hälfte des Essens garantiert nicht im Mund landet – zumindest nicht auf direktem Wege. Egal ob am Strand, auf den großen Straßenmärkten der Hauptstadt oder in kleinen Restaurants mit Plastikhockern und kitschiger Deko: Essen nimmt in Malaysia eine zentrale Rolle ein. Nach der Begrüßung hört man nicht selten „Sudah makan?“, was so viel heißt wie „Hast du schon gegessen?“.

Was wirklich malay cuisine ist? Das ist gar nicht so einfach zu definieren, denn in dem kleinen Staat, der in direkter Verbindung zu Singapur liegt, mischen sich seit jeher die Völkergruppen zu einem großen Ganzen. Jede ethnische Gruppe verwöhnt mit ihren eigenen Spezialitäten und macht die Kulinarik des Landes damit so vielseitig und lecker.

Malaysia
Malaysia bietet jede Menge kulturelle Vielfalt, atemberaubende Landschaften und eine Vielzahl kulinarischer Entdeckungen.

Die Faszination der Hauptstadt

In Kuala Lumpur, der noch recht jungen aber ebenso eindrucksvollen Hauptstadt Malaysias, in der kleine Hütten sich an riesige Wolkenkratzer schmiegen, zieht es Streetfood-Liebhaber vor allem nach Chinatown und zur Jalan Alor. Das ist eine Straße im pulsierenden Viertel Bukit Bintang, wo jede Nacht Straßenhändler, kleine Straßenküchen und -stände als auch die dort ansässigen Restaurants ihre Waren und Gerichte feilbieten. Hier ist es bis spät in die Nacht hinein laut und voll; die Nase ist fast überfordert von all den unterschiedlichen Gerüchen: Frisch gebratene Enten und Hühnchen dort, würzig marinierte Spieße hier, scharfe Düfte der Fusionküchen aus China und Thailand von rechts und ein Gemisch aus Koriander, Knoblauch und Chili von links. Hach, so riecht Asien.

Malaysia Kuala Lumpur
In Kuala Lumpur schmiegen sich kleine Hütten an riesige Wolkenkratzer. Street-Food-Liebhaber sei ein Besuch in Chinatown empfohlen.

Kulinarischer Genuss

Mee (Nudeln) und Nasi (Reis) sind die Grundlage fast aller Gerichte; die neutrale Basis, die mit viel Liebe und Kreativität verwandelt wird. Wie in vielen asiatischen Ländern gilt: Würze ist alles. Viele Gerichte sind immens würzig, scharf und schmecken fremd für den europäischen Gaumen. Ein Muss für jeden Malaien? Sambal, eine Shrimp-Paste, der zusätzlich gehackter oder zerstoßener Knoblauch und Chili zugegeben wird.

Im Gegensatz zu vielen anderen asiatischen Küchenkulturen findet hier nahezu jedes Fleisch Verwendung: Huhn und Fisch wird ebenso regelmäßig genutzt wie Lamm, Rind oder Ziege. Einzig Schwein findet man höchstens in der chinesischen Küche, für muslimische Malaien und Inder gelten Schweine eher als unrein. Ein Gericht, das es bis in Berliner Pop-Up-Küchen geschafft hat, ist die Laksa. Die würzige Suppe, die mit Fisch oder Fleisch und Nudeln entweder sauer mit Tamarinde oder mit Kokosmilch zubereitet wird, ist aktuell ein echter Renner in europäischen Streetfood-Hochburgen.

Malaysia Street Food Fleisch
Im Gegensatz zu vielen anderen asiatischen Küchenkulturen findet in Malaysia nahezu jedes Fleisch Verwendung.

Für Liebhaber von Frühstück warten Malaysia und seine vielen Küchenrichtungen mit echten Leckereien auf. Eine davon ist Pau. Das sind Hefeteigklöße, die gedämpft und mit unterschiedlichen Füllungen verkauft werden. Das kann Bohnenpaste, Gemüse, Fleisch, Ei oder andere Zutaten sein. Die Klöße sind prall und rund, oft bunt und mit kleinen Mustern versehen und wirken für unsere Verhältnisse so gar nicht vertrauenserweckend. Ein großer Fehler. Nach einem Biss versteht jeder wieso.

Malaysia Pau
Die bunten Hefeteigklöße namens „Pau“ werden gedämpft und mit unterschiedlichen Füllungen verkauft.

Ein weiteres Nationalgericht, das gern zum Frühstück serviert wird, ist Nasi Lemak. Bei dem relativ simplen Reisgericht wird Reis in Kokosmilch gekocht und mit frittierten Anchovis, Spiegelei oder hart gekochtem Ei, Currytintenfisch, Gurken (wichtig!) und Sambal serviert. Und: Roti! Die gibt es zu jeder Tages- und Nachtzeit zu kaufen, ist aber auch ein typisches Frühstück. Man könnte es als Blätterteig-Fladenbrot beschreiben. Fluffig und leicht, ein bisschen wie ein luftiger Pfannkuchen. Roti Canai ist das typische morgendliche Gericht, bei dem der Fladen mit zwei bis vier milden bis scharfen Soßen zum Dippen serviert wird. Abwandlungen davon gibt es auch mit Ei, Käse oder Banane gefüllt. Rotis sind nicht nur superlecker, sondern auch sehr günstig. Ein einfaches Roti gibt es schon ab knapp 50 Cent zu kaufen.

Malayisa
Das gemeinsame Essen trägt dazu bei, Brücken zwischen verschiedenen Kulturen zu bauen.

Essen verbindet

Gegessen wird immer und überall. Die Nahrungsaufnahme ist eine gesellschaftliche Tätigkeit, die Menschen zusammenbringt und den Austausch fördert. Auch als Tourist wird man schnell dazu gebeten, egal ob es sich um eine lockere Runde unter Freunden, ein Geburtstagsmahl oder gar eine Hochzeit handelt. Wer mit isst, wird zum Verbündeten und Freund. Schnell ist man mit den Einheimischen im Gespräch und bekommt großzügig die Möglichkeit, unterschiedlichste Speisen zu probieren. In Malaysia teilt man einfach gern. In Restaurants bestellt kaum einer nur Gerichte für sich: Man wählt allerlei Unterschiedliches von der oft umfangreichen Karte und teilt dann. Jeder nimmt, was ihm beliebt.

Als Ausgleich zu den vielen scharfen Köstlichkeiten gibt die Küche des Halbinselstaates auch viel Süßes und Zuckriges her. Etliche Bäckereien – egal ob traditionell oder nahezu hip und westlich anmutend – verkaufen köstliche, zuckersüße Leckereien. Torten, Kuchen, süßes Gebäck: In Malaysia weiß man was Süßmäulern schmeckt. Das klebrige Putu gibt es nicht nur an zahlreichen Straßenständen, sondern oft auch als Snack zwischendurch an Raststätten entlang der Autobahnen und Schnellstraßen. Dabei handelt es sich um kleine, grüne Röllchen aus sticky rice, die in Bambusrohren erhitzt werden. Drum herum sind ein Pandanteig (Teig auf der Grundlage von Pandanblättern, einem Palmengewächs) und frische Kokosraspeln gewickelt.

Malaysia Durian
Auf den Märkten und an den Straßenständen gibt es eine große Auswahl an Früchten. Hier sehen wir die in Malaysia heimische Durian-Frucht.

Exotische Gaumenfreuden

Auf Borneo gibt es neben allerlei bekannten Zutaten und Gerichten auch für uns unbekannte oder sleten wirkende Zutaten aus dem Dschungel zu probieren. Immer wieder findet hier Wildschwein, Flusskrebs und –fisch in der Küche Verwendung, außerdem Pilze und wilder Farn, der als Gemüse gereicht wird. Am besten speist man bei Familien im Home Stay oder an kleinen unscheinbaren Ständen, die solide Hausmannskost servieren.

Gemüse und Obst spielen eine zentrale Rolle – vor allem die große Auswahl an Früchten, die man am besten auf dem Markt oder an den hiesigen Straßenständen bekommt. Egal ob Mango, Guave, Bananen, Wasseräpfel, Ananas oder Drachenfurcht: in Malaysia schmecken all diese Früchte so wunderbar reif und süß, dass unser herkömmliches Obst in Europa schlichtweg blass und wässrig erscheint. In den Sommermonaten April bis August gibt es an der Durianfrucht, wie in vielen südostasiatischen Ländern, kein Vorbeikommen. Die Schale ist uneben, fast stachelig, doch das Innere der Frucht kommt cremig und weich daher und lockt mit einem weißlichen Farbton.

Wir Europäer sollten uns lieber die Nase zuhalten beim Probieren der Frucht, sie heißt nicht umsonst Stinkfrucht. Der Geruch des großen Obstes ist mit einem sehr strengen, unangenehm riechenden Käse zu vergleichen, der Geschmack jedoch ist eher vanilleartig und auch für den europäischen Gaumen genießbar. Dennoch: Ein Favorit wird sie nie werden. Da greifen wir doch lieber nach einer saftigen Mango und überlegen, was als nächstes auf den Tisch kommt.

Chicken Hühnchen Malaysia
Fleischliebhaber kommen in Malaysia definitiv nicht zu kurz. Lust auf frische Chicken Wings?

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