Ein kulinarischer Roadtrip durch Neuseeland | FOODBARN
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Fragte man früher einen Neuseeländer nach typischen Spezialitäten seines Heimatlandes, war die Antwort in der Vergangenheit meist ein Schulterzucken und ein ironisches „Fish and Chips?!“. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Denn der Inselstaat am anderen Ende der Welt besitzt einen ganz eigenen kulinarischen Reichtum.

Text: Julia Schoon

Pie, Lammbraten und tatsächlich: Fish & Chips – das waren (und sind immer noch) Küchenklassiker in Neuseeland. Der Inselstaat im Südpazifik wurde als britische Kronkolonie in den letzten 150 Jahren vor allem von Einwanderern aus England geprägt. In den letzten Jahren allerdings hat sich in Neuseeland ein ganz neues Selbstverständnis entwickelt, was die eigene Landesküche angeht. Sie mag vielleicht nicht raffiniert sein, dafür jedoch zum Teil so einzigartig wie auch die Flora und Fauna und die geographische Lage des Landes. „Typisch neuseeländisch“ sind deshalb ganz oft Gerichte, deren Zutaten aus den Flüssen, Seen und Wäldern des Landes, aus dem Meer oder vom Bauern aus dem eigenen Land stammen.

Hier geht es zum Rezept zu Backfisch mit Süßkartoffel- und Zucchinisticks, eine gesündere Variante des berühmten Fish & Chips.

HANGI

Übersetzt aus der Sprache der Maori heißt das „Erdofen“, denn das Essen – typischerweise Kumara (Süßkartoffel), Kürbis, Kartoffeln und Hühnchen, gerne auch Wildschwein – wird in einer Grube im Boden gegart. Nach mehreren Stunden erst ist das Essen fertig  – dann aber butterzart und saftig, mit einem ganz leicht erdigen Aroma. An den Vorbereitungen ist traditionell die ganze Sippe beteiligt: Sie legen Steine auf den Boden der Grube, die zunächst mit einem großen Feuer aufgeheizt werden. Nachdem die Flammen herunter gebrannt sind, wird das Essen in Körben darauf gestapelt, Wasser auf die Steine gegossen und die Grube abgedeckt, damit der Dampf darin enthalten bleibt. Touristen können Hangis im Rahmen einer „cultural experience“ erleben: In Rotorua gibt es zahlreiche Anbieter, mir hat es besonders gut in Whakatane gefallen. Wer nicht viel Zeit hat und trotzdem gerne probieren möchte, bekommt in Rotorua sogar „Hangi To Go„.

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Hangi ist eine traditionelle Art des Kochens, bei der eine Grube in den Boden gegraben wird.

BLUFF OYSTERS

Manche sagen, es seien die besten Austern der Welt. Sie sind ziemlich groß, fleischig, aber zart – und schmecken im Speckmantel gegrillt außerordentlich gut! Die Saison beginnt jedes Jahr am 1. März und endet, wenn die Fangquote ausgeschöpft ist – meist im Mai. Den kleinen Finger braucht hier übrigens keiner abzuspreizen: Das legendäre Bluff Oyster and Food Festival, das jedes Jahr Mitte/Ende Mai gefeiert wird, bezeichnen die Einheimischen als „unsophisticated and proud of it“.

GRÜNLIPPENMUSCHELN UND PAUAS

In Neuseeland darf jeder für den Eigenbedarf Muscheln sammeln oder die Angel ins Meer halten! Das gilt auch für Touristens, so lange sie sich an die vom Fischereiministerium vorgegebenen bag limits halten. Am einfachsten ist es, Grünlippenmuscheln zu finden: Sie wachsen auf Felsen an vielen neuseeländischen Stränden und ähneln Miesmuscheln, nur dass sie auf einer Seite einen grünen Rand habe. Nach Pauas kann man schnorcheln. Die „Seeohren“ haben im Ganzen gegrillt Ähnlichkeit mit einem Steak, sie schmecken aber auch gehackt mit Mehl und Ei in der Pfanne gebraten. Beide bekommt man auch in neuseeländischen Restaurants und Imbissen.

Lust auf ein leckeres Rezept mit Muscheln? Hier entlang zu unseren Moules Frites Colorées. An dieser Stelle möchten wir euch auch unseren Artikel über Johan Malm – den Weltmeister im Austernöffnen – ans Herz legen, der sicher ebenfalls seine Freude an den Grünlippenmuscheln hätte.

Grünlippenmuscheln
Grünlippenmuscheln wachsen auf Felsen an vielen neuseeländischen Stränden.

PAVLOVA

Der Klassiker unter den neuseeländischen Desserts ist ein Tortenkunstwerk: Auf einen Baiserboden (gebackener gezuckerter Eischaum) werden Berge von Schlagsahne gehäuft, die man mit Kiwi- und Erdbeerscheibchen dekoriert. Ironischerweise wurde sie nach der russischen Primaballerina Anna Pawlowa benannt, die mit ihrem Tanz des „Sterbenden Schwan“ weltberühmt wurde – und aller Wahrscheinlichkeit nach nie ein Stück dieser Kalorienbombe probiert hat. Ob die Pavlova in Neuseeland erfunden wurde oder vielleicht doch in Australien, darüber streiten sich die beiden Nationen nun seit fast hundert Jahren.

STURMVOGEL (MUTTONBIRD)

Fleur Sullivan gehört zur ersten Riege neuseeländischer Gastronomen, die die Besonderheit einheimischer Produkte erkannt hat: Dinge, die es zum Teil nirgendwo sonst gibt. Wilder Spinat und Algen, vor der Haustüre gesammelte Paua und Grünlippenmuscheln, natürlich fangfrischer Fisch. All das kann man in ihrem Restaurant Fleur’s in Moeraki, einem Fischerdorf auf der Südinsel, probieren. Die Karte ändert sich je nach Saison beziehungsweise Fang des Tages. Mit etwas Glück steht auch Muttonbird (Tītī) darauf. Nur wenige Maori-Familien dürfen diesen Vogel jagen und das auch nur innerhalb streng begrenzter Quoten. Sein Fleisch ähnelt zwar dem von Geflügel, schmeckt aber intesiv salzig-fischig, ähnlich wie Sardellen.

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Traditionell kocht man Muttonbirds mehrfach ab. So legt man den Sturmvogel in einen Topf mit kochendem Wasser, lässt ihn eine Weile kochen, schüttet das ölige Wasser weg und kocht ihn erneut.

MARMITE

In England gibt es zwar einen gleichnamigen Brotaufstrich, der schmeckt jedoch gaaaaaaaanz anders. Zumindest für Kiwis. Wer mit Marmeladenbrötchen zum Frühstück aufgewachsen ist, wird sich wohl eher fragen: Warum streicht man sich etwas aufs Toast, das intensiv nach Brühwürfel schmeckt?! Fest steht: Der liebevoll „tar in a jar“ (Teer im Glas) genannte Hefextrakt, der als Abfallprodukt beim Bierbrauen entsteht, ist sehr gesund. Und wenn man sich einmal an den Geschmack herangetastet hat, ist Marmite mit Ei oder auch Avocado auf Brot echt lecker.

MANUKA-HONIG

Er ist inzwischen ein neuseeländischer Exportschlager: Honig der rot und weiß blühenden, struppigen Manukabüsche und -bäume, die überall im Land wachsen und mit dem Teebaum verwandt sind. Der Honig besitzt eine stark antibakterielle Wirkung, die schon den Maori bekannt war. Wissenschaftlich entdeckt wurde der sogenannte UMF (Unique Manuka Factor) allerdings von einem deutschen Forscher in Dresden. Auch wenn man gesund ist, schmeckt Manuka-Honig köstlich. Man bekommt ihn in den meisten neuseeländischen Supermärkten oder direkt vom Imker (auf Schilder an der Straße achten!) – er kostet allerdings deutlich mehr als herkömmlicher Honig.

Hier erfahrt ihr, wie euch auch mit normalem Honig ein leckerer Honig-Senf-Dip gelingt. Wenn ihr noch eine passende Marinade für euer Fleisch benötigt, empfehlen wir euch unsere Asiatische Honigmarinade.

Honig
Manuka-Honig ist teurer als konventioneller Honig, entwickelte sich in Neuseeland aber dennoch zum Export-Schlager.

HOKEY POKEY EIS

Hinter diesem putzigen Namen verbirgt sich eine Eissorte, die so untrennbar zum neuseeländischen Sommer gehört wie Schoko- oder Zitroneneis zu einer deutschen Kindheit: Es handelt sich um Vanilleeis mit Karamellstückchen, die entweder knusprig oder cremig-weich sind. Erhältlich in jeder Eisdiele des Landes.

SAUVIGNON BLANC

Neuseeland mit seiner ungewöhnlichen geographischen Lage und den vulkanischen Böden bringt ganz besondere Weine hervor. Am bekanntesten ist der neuseeländische Sauvignon Blanc, in den großen Weinregionen Marlborough und Hawke’s Bay sowie in den beiden kleineren, Central Otago und Wairarapa, werden jedoch auch andere ausgezeichnete Weine produziert. Viele, auch kleinere, Weingüter bieten regelmäßig Verkostungen an. In der Hawke’s Bay liegen sie so dicht beeinander, dass man auf dem „Wine Trail“ von einem zum nächsten radeln kann.

Weinliebhabern empfehlen wir unsere Kolumne „Tief im Glas“, die inspirierende Weinempfehlungen für euch bereit hält.

Unsere Autorin hat Neuseeland inzwischen vier Mal bereist. Ihr längster Roadtrip führte sie im Wohnmobil sieben Monate lang über die Nord- und Südinsel. Die Liste der Spezialitäten, die man in Neuseeland einmal probieren sollte, ist natürlich noch lange nicht vollständig. Weitere typische Kiwi-Foods stellt die Autorin auf ihrem Blog www.JaegerDesVerlorenenSchmatzes.de vor.

Zu finden unter

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