Brixton Food Guide - Die besten Restauranttipps für das Londoner Viertel | FOODBARN
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Brixton ist so laut wie bunt – und der Gegenentwurf zu Londons poliertem Zentrum mit seinen Türmen aus Stahl und Glas. Wer an einem Freitag- oder Samstagabend aus dem Tunnelsystem der Londoner U-Bahn in Brixton an die Oberfläche steigt, steht in einem Tornado aus Livemusik, Grillwürstchen und Nachtschwärmern.

Text: Marten Hahn

Die Gentrifizierung der letzten Jahre hat das ehemalige Arbeiterviertel mit großer afro-karibischer Gemeinde verändert, aber Brixton nicht die Seele genommen. Läuft man morgens den Brixton Hill hinauf, riecht man gelegentlich mehr Gras als Kaffee.

Besucher, die ihren Tag lieber koffeinhaltig beginnen, werden am Brixton Hill doppelt fündig. Das F. Mondays öffnet bereits 7 Uhr. Der Name (kurz für: Fuck Mondays) macht recht deutlich, was die Inhaber des Cafés vom ersten Werktag halten. Tipp: Zum Americano unbedingt das Avocado-Sandwich mit Halloumi bestellen. Damit wird jeder Montagmorgen zum zweiten Sonntag.

Einige Meter weiter bergab bietet Stir Coffee samtigen Flat White und Zitronen-Pistazien-Kuchen. Weder hier noch im F. Mondays halten die harten Holzbänke Brixtons Freelancer davon ab, die Cafés ab mittags in Beschlag zu nehmen.

Am Wochenende wird in London nicht gefrühstückt, am Wochenende wird gebruncht. Anders als in Deutschland isst man sich hier aber nicht für 12,90 Euro durch ein All-You-Can-Eat-Buffet, sondern bestellt pochierte Eier auf Lachstoast. Weil das für Brixton zu chichi ist, steuert man an einem späten Samstagmorgen am besten die Senzala Crêperie im Brixton Village an. Hier vermischen sich brasilianische und französische Einflüsse zu den besten, herzhaften Crêpes südlich der Themse. Und wer das Lachstoast vermisst, kann immerhin den Salmon Panache bestellen: Geräucherter Lachs, Spargel, Ei, Crème Fraîche und Meerrettichsauce.

Die zwei Markthallen Market Row und Brixton Village und das Container-Dorf Pop Brixton bilden das kulinarische Herz des Viertels. Wer hier nichts findet, dem ist kaum zu helfen. Wer die Eingänge zum Brixton Village nicht entdeckt – das passiert auch Leuten, die schon länger in der Gegend wohnen – dem hingegen schon: Am besten aus der U-Bahn links und wieder links herum, in die Electric Avenue, ein Foto des Straßennamens im Neon-Schriftzug für Instagram schießen, immer die Straße entlang bis zur Atlantic Road, drei Schritte nach rechts: There we are!

Die kleinen Geschäfte, Restaurants, Bars und Cafés reihen sich in den Hallen hier dicht an dicht. Gäste sitzen oft auf Bänken vor den Lokalen. Aber Brixton Market kann mehr als Street-Food-Atmosphäre. Der Diamant des kulinarischen Labyrinths heißt Salon. Das Restaurant in der Market Row serviert Haute Cuisine. Bereits das Essen an der Bar im Erdgeschoss hat es in sich. Aber wer Essen wirklich ernst nimmt, reserviert fürs Abendessen einen Tisch in der ersten Etage und genießt das 4-Gänge-Menü für 36 Pfund. Selbst erfahrenen Feinschmeckern entfährt hier ein eloquentes: „Mind? Blown!“.

Den ganzen Tag schon in den Markthallen verbracht? Dann gibt es nur fünf Gehminuten entfernt eine weitere Dinner-Option in zwei Akten. Erster Stopp: The Wine Parlour. Wer in Brixton ein Glas Wein trinken will, sollte das hier an der Atlantic Road, Ecke Vining Street tun. Die Weinauswahl ist erlesen, die Menschen hinter dem Tresen wissen, was sie tun. Und zu zweit findet man in der kleinen Weinbar mit den großen Schaufenstern fast immer einen Platz. Für Hungrige gibt es nur Häppchen. Aber wer die Goat Cheese Bombs bestellt, kann sich damit locker bis zum Abendessen retten.

Dafür tritt man hier nur vor die Tür, kreuzt die Straße und nimmt im Courtesan Platz. Das Lokal wird aus unerfindlichen Gründen immer noch unterschätzt. Dabei wird hier delikates Dim Sum in angenehm verruchtem Ambiente gereicht: Die Bühne im schummrigen Gastraum wird regelmäßig für Cabaret- und Burlesque-Auftritte genutzt. Das Essen kommt schneller, als man „Dim Sum“ sagen kann. Und irgendwie hat man als Gast hier immer das Gefühl, Teil eines Geheimnisses zu sein. Ausnahmsweise stimmt das auf der Website verfasste Selbstlob: “Wir bieten feinste, moderne Dim Sum und sorgfältig ausgewählte Tees, Weine und Mixgetränke für anspruchsvolle und abenteuerlustige Damen und Herren.” Da fühlt man sich doch direkt angesprochen.

Wie viel das alles kostet? Billig ist in London nichts. Aber wer auf den Geldbeutel achten muss, der steige noch einmal den Brixton Hill hinauf: In der Nachbarschaft zu Stir Coffee gibt es das hippe, italienisch geführte Pizza Brixton. Das Konzept: Pizza, sonst nix. Ja, es gibt auch ein, zwei Salate. Aber darüber hinaus gibt’s nur belegte Teigscheiben zu überschaubaren Preisen. Die Pizzen sind lecker. Der Service prompt. Und man bekommt fast immer einen Tisch. In einer Stadt wie London, in der die meisten vernünftigen Restaurants schon am Mittwoch fürs Wochenende ausgebucht sind, ist das manchmal mehr wert, als Sterneküche zu speisen.

In unserer Rubrik ENTDECKEN findet ihr weitere kulinarisch interessante Orte und Persönlichkeiten. 

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