Tastemaker: Antonios Askitis - Hiphopper, Skater, Sommelier | FOODBARN
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Antonios Askitis – oder Toni, wie ihn eigentlich jeder nennt – ist ein entspannter Typ. Sneakers, T-Shirt, Tattoos. Wenn er die Ärmel hochkrempelt, erkennt man gleich eine seiner Leidenschaften: seinen rechten Arm ziert die Wehlener Sonnenuhr – eine Weinlage am Südwesthang der Mosel. Wir haben uns mit ihm unterhalten: über Wein, Musik, Skateboarding und alles andere, was den Mittdreißiger so bewegt.

Text: Maren Aline Merken
Fotos: Marvin Schoenberg & Nico von Nordheim

„Hiphop“, sagt Antonis Askitis seinen Freunden gern zum Abschied. Das steht sogar unter seinen Emails. Man trifft ihn gern auch mal auf dem Dancefloor einer OIdschool HipHop-Party – mit einem filigranen Weinglas in der Hand. Skater, Hiphop-Fan, tätowiert am ganzen Körper – wie passt das zu dem Beruf eines Sommeliers?

„Ich würde mich schlichtweg als echt beschreiben“, sagt Toni, wie ihn eigentlich jeder nennt. „Durch meine Selbständigkeit konnte ich mir immer die Freiheit nehmen, das auch zu leben. Bei mir passte HipHop und Sommelier zu sein, immer sehr gut zusammen.“

Sein Credo ist „Wein ist unkompliziert“. Und in der Tat: Wenn man mit Toni Askitis spricht, verliert man auch als Laie schnell den falschen Respekt vor dem vielschichtigen Thema Wein. Man hat nicht das Gefühl, dass man keine Fragen stellen dürfe und so tun müsste, als habe man unglaublich viel Ahnung von der Materie. „Ich will das ganze Thema Wein nicht noch komplizierter machen, als es sowieso schon ist. Ich mag es nicht, wenn die Leute sich mit Fachgelaber von denen, die vielleicht weniger wissen, abheben wollen“, erklärt Toni.  „Genau das macht den Menschen Angst vor Wein und artverwandten Themen.“

Antonios Askitis
„Bei mir passte HipHop und Sommelier zu sein, immer sehr gut zusammen.“ – Antonios Askitis | Foto: Nico von Nordheim

Toni hat als Sohn eines Gastronomen eine recht typische Karriere seiner Branche hingelegt: Nach dem gemeinsamen Bewirtschaften des Familienrestaurants Askitis in Düsseldorf eröffnete er sein eigenes Fine-Dining-Restaurant D’Vine, beteiligte sich hier und dort an dem einen oder anderem gastronomischen Projekt und erlernte darüber hinaus den Beruf des Sommeliers. Jetzt will er seiner Passion auf einem anderen Weg nachgehen. Dafür bietet er seine Dienste als Moderator im Bereich Wein an, hilft bei gastronomischer Neukonzeption und berät auf #asktoni und im echten Leben zu allen Fragen rund um die Themen Wein, Gastro, Food.

Und die Seite zeigt: Der Typ, der am liebsten in Barcelona skaten geht und Warning von Notorious BIG als einen seiner Lieblingstracks bezeichnet, hat hinter der roughen Fassade vor allem zwei Dinge: Jede Menge Know-how und ordentlich Spaß. Denn einerseits ist Tonis Werdegang dokumentiert, die fundierte Ausbildung, die Auszeichnungen. Andererseits gibt es den integrierten Vlog mit den Rubriken Vollgas Toni, in der Toni sich unter widrigen Bedingungen wie beim Rennwagenfahren oder Skaten an Weintastings versucht; Musik im Glas, in der er Weine interpretiert und den passenden Song dazu präsentiert oder auch Kleines Mikro, Große Gewächse, ein Interviewformat mit interessanten Winzern.

Gesehen hat man sowas in der teils angestaubten Weinszene noch nicht. Im ersten Moment ist man vielleicht verwundert und fragt sich: Was macht er eigentlich da, dieser Typ? Aber dann ist es witzig und interessant und offenbart das, was er damit erreichen will. Wein wird greifbar, sympathisch und kommt uns näher. Weil wir denken, der Typ, der kennt sich damit aus und nimmt es dennoch nicht so bierernst. „Mit Spaß und Witz will ich zeigen, dass Wein nicht immer zu ernst genommen werden muss – nicht mal, wenn es ein High-End-Wein ist“, sagt der Mittdreißiger. Das gelingt ihm: Die Intros der Filmchen passen wie der Nagel auf den Kopf und machen Lust auf mehr.

Toni ist schon lange bekannt dafür, dass er Fine Dining und edlen Wein mit Sneakers, Street Art und losem Mundwerk kombiniert. Das kommt an, weil es nicht die Regel ist. Ist die Welt rund um Fine Dining und Wein zu angestaubt? „Ehrlich gesagt, ja. Leider wird Weingenuss als elitär, manchmal sogar dekadent angesehen. Fine Dining ist immer noch relativ steif. Die Leute sollten sich einfach entspannen ­– ich denke, alle Beteiligten haben dasselbe Ziel, nämlich den Gast glücklich zu machen“, sagt er. „Die neue Generation an Gästen weiß eine gewisse Lockerheit zu schätzen. Manche Top-Restaurants, auch mit Sternen, haben das bereits gecheckt.“

Gecheckt hat Toni vor allen Dingen eines: Dass die Zeit gekommen ist, Neues auszuprobieren. Aus diesem Grund hat er im April 2017 sein beliebtes Restaurant D’Vine in Düsseldorf geschlossen und ist jetzt ein Gastronom ohne Gastro. Wieso? „Restaurants auf dem Level von D’Vine sind leider heutzutage für Betreiber sehr familienunfreundlich geworden, sie fressen sehr viel Zeit. Ich bin raus aus dem Business. Zu stressig, zu wenig gute Mitarbeiter auf dem Markt. Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht etwas Neues aufmache“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Gerechnet hat damit wohl keiner – Toni galt als Größe in der Düsseldorfer Gastronomieszene. Einige Gäste zeigten sich nahezu schockiert. „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist – viele meiner Gäste haben das verstanden. Der Abschied war sehr emotional“, erklärt er.

Antonios Askitis
Antonios Askitis ist dafür bekannt, Fine Dining und edle Weine mit Sneakers, Street Art und losem Mundwerk zu kombinieren. | Foto: Marvin Schoenberg

Sein neues Projekt #asktoni verbindet sein Know-how und seine Leidenschaft zu Wein mit seiner lockeren Art und seiner Liebe zur Bühne. In allem was er tut, ist er vor allem eins: Entertainer. Wer ihn kennt, weiß wie gerne er im Mittelpunkt steht. „#asktoni soll den Leuten die sehr unberechtigte Angst vor gutem Wein nehmen. Ich bringe den Leuten Wein in lockerer Atmosphäre näher “, erklärt Toni. „Durch meine jahrelange Erfahrung mit Gästen weiß ich genau, was ich dem Zuhörer zumuten kann.“

Generell wird die Weinszene aktuell entspannter, cooler. Experten wie Sommelier Sebastian Bordthäuser oder eben Toni Askitis scheuen sich nicht vor einem emotionalen und entspannten Umgang mit dem Traubensaft. Entspannte Weinbars wie Cordobar in Berlin oder Witwenball in Hamburg laden auch Laien ein, sich dem Genuss hinzugeben und Fragen zu stellen – in einer Atmosphäre, die völlig losgelöst ist von der steifen Vorstellung, die viele von der Weinwelt haben.

Tonis Geheim- und Lieblingstipps? Sie kommen wie er aus unterschiedlichen Welten. „Ich liebe Rieslinge von der Mosel, vor allem, wenn sie reif sind. Das macht einfach mega gierig… aber auch die Rheinhessener Rieslinge und Xinomavro aus Griechenland sind top“, verrät der Düsseldorfer mit griechischen Wurzeln. „Meine hidden treasures in Griechenland sind definitiv die Weine von der Zafirakis Winery in Tyrnavos!“
Auch für seine Kollegen und jeden, der neue Wege beschreiten will, hat der restaurantlose Tausendsassa einen Tipp: „Es ist nie zu spät, neue Wege zu gehen. Eigene Zufriedenheit ist das Ziel. Das hier ist einfach genau das, was ich immer machen wollte!“ Und das ist vermutlich das Wichtigste. #hiphop.

In unserer Rubrik ENTDECKEN findet ihr weitere kulinarisch interessante Orte und Persönlichkeiten. 

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Autorin Maren Aline Merken und Antonios Askitis. | Foto: Marvin Schoenberg

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