Kochbuchkritik - Küchenzeilen: Souq - Von Mezze bis Pistazientorte | FOODBARN
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Um einer Kultur näher zu kommen, gibt es kein einfacheres Werkzeug als das Essen. Besonders in der arabischen Welt hat das gemeinsame Einnehmen köstlicher Speisen einen hohen, kulturellen Stellenwert. Eine Idee von all dem, sowie garantierte Appetitattacken gibt das neue Kochbuch Souq.

Text: Laura Vorsatz
Fotos: Ernie Enkelaar

Das bereits sechste Buch der Autorinnen Nadia Zeroulali und Merijn Tol aus den Niederlanden vereint in „Souq“ kalte und warme Vorspeisen der arabischen Küche, orientalische Grillspezialitäten und natürlich Cocktail- und Dessert-Rezepte. Ein Grundlagenwerk für alle, die gern mit vielen Menschen an reich gedeckten, großen Tafeln das Leben feiern und von all den feinen Gaben etwas probieren möchten. Doch auch im Alltag dürfte das ein oder andere Gerichte seinen Platz finden – Stichwort Hummus

Was ist die Idee des Kochbuches?

Souq ist das kommerzielle Viertel einer arabischen Stadt, so wie ein türkischer Basar. Das bunte Treiben des Markts mit seiner riesigen Auswahl an exotischem Obst und Gemüse, feinsten Gewürzen und frischen Kräutern ist der Ausgangspunkt für eine ganz besondere Mahlzeit: Mezze. Die Tapas-Variante aus dem Nahen Osten ist nicht nur ein Sammelsurium aus warmen und kalten Vorspeisen, sondern die traditionelle Art und Weise der arabischen Welt, Großzügigkeit, Freigiebigkeit und Gastfreundschaft auszudrücken.

Was sind das für Rezepte?

Alles, was zur sommerlichen Mezze-Zeremonie an einem Sonntagmittag nicht fehlen darf. Während sich die gesamte Familie versammelt, werden Karaffen mit Arak und Schüsseln mit Eiswürfeln gereicht – auch das Buch beginnt mit Getränken und Cocktailrezepten. Nun bekommen frische Mandeln und Walnüsse auf Eis Gesellschaft von Hummus und frittierten Kibbeh-Bällchen, schnell folgt Taboulé oder Fattoush. So überbieten sich auch in der Lektüre zunächst Rezepte für kalte Mezze, dann warme Mezze, sehr fleischlastige orientalische Grillspezialitäten und süße Desserts.

souq
„Souq“ bietet kalte und warme Vorspeisen der arabischen Küche sowie orientalische Grillspezialitäten.

Und wie ist der Sound des Buches?

Auch wenn die Autorinnen aus den Niederlanden kommen, wissen sie genau, wovon sie sprechen. Die Liebe zur arabischen Küche schwingt in jedem Satz mit und nicht nur die heimische Küche muss seit Jahren einigen Experimenten standhalten. Denn auf Reisen durch Nordafrika, Südeuropa und den Mittleren Osten schauten Nadia und Merijn in jeden Kochtopf, der sich ihnen öffnete. Sie glauben: „Erst durch ein gemeinsames Essen wird die Welt zu einem besseren Ort, denn dabei lernt man den anderen wirklich kennen“ (S.156). Negative Assoziationen mit der arabischen Welt ins Jenseits zu befördern, sollte bei dem Genuss dieser feinen Speisen also wirklich kein Problem mehr sein.

Ist auch etwas fürs Auge dabei?

Auf jeden Fall. Und zwar nicht nur in rustikaler Foodbarn-Manier, von der wir ja sowieso überzeugt sind. Aufnahmen der Reisen und stundenlangem Zusammensitzen bei Mezze runden das stilvoll gehaltene Buch sehr gut ab. So erhält das mit orientalischen Mustern akzentuierte Kochbuch einen persönlichen Touch, der jedoch niemals zu sehr von den Rezepten ablenkt.

Wie sieht es mit dem Schwierigkeitsgrad der Rezepte aus?

In kurzen, eingängigen Texten wird schnell klar, worum es bei dem jeweiligen Gericht geht und was zu beachten ist. Gerade für Mezze findet sich oft erst das einfache Grundrezept, z.B. für Labneh, und später (leider nicht gebündelt) einige Variationen für größer angelegte Experimente. Es wird sogar dazu aufgerufen, seiner eigenen Kreativität keine Grenzen zu setzen – alles bedarf 1001 Variation! Wer sich zu Beginn des Buches etwas Zeit nimmt, um sich über den Vorratsschrank der Autorinnen aufklären zu lassen, erfährt schnell, was es noch zum eigenen Mezze-Glück braucht: So sollten sich mindestens Sumachpulver und Zahtar, aber auch Granatapfelmelasse und 7-Gewürze-Pulver in der eigenen Küche einfinden. Und hierbei bitte nicht geizen: Gute Qualität hat Vorrang, denn Gewürze und Kräuter sollen großzügig verwendet werden. Ein ordentlicher Vorrat Olivenöl kann übrigens auch nicht schaden.

Nadia und Merijn bieten über ihren Webshop eigens importierte Zutaten an, die ihren Ansprüchen gerecht werden.

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Der Freekeh-Salat darf in diesem Kochbuch natürlich nicht fehlen.

Und das beste Rezept?

Was wohl, Hummus natürlich! Sogar die Marke der getrockneten Kichererbsen wird genannt, denn die Autorinnen sind ganz offiziell von der Hummus-Polizei. Nunja. Zumindest sind sie der Ansicht: Es gibt Hummus und Hummus. Und das Zeug im Supermarkt ist kein Hummus. An dem Rezept kommt also niemand vorbei. Und wer jetzt direkt Lust bekommen hat: wir haben hier unser köstliches Hummus Rezept zum Nachmachen für euch aufgeschrieben.

Drei Dinge, die man durch dieses Kochbuch erfährt:

  1. Mezze sind die alten neuen Tapas. Von allem etwas essen können und das stundenlang – wer kann das ablehnen?
  2. Eine Reise nach Beirut und damit ein Besuch des Markts Souk el Tayeb sind unumgänglich.
  3. „So viele verschiedene Menschen und Religionen es gibt, so viele Sorten Kibbeh findet man“

Das Urteil

Innere Werte

Etwas Eigenes schwingt bei jedem Rezept mit – nach 10 Jahren Kochbucherfahrung ist der Erfahrungsschatz natürlich groß. Zum Glück wird der Leser davon nicht überfordert und darf den Fokus darauf richten was wirklich wichtig ist: Das Rezept. 5 von 5 Punkten

Aussehen

Was ganz Feines. Gut aussehend zwischen Ästhetik und Authentizität – das muss Herr Fotograf erstmal hinbekommen. 5 von 5 Punkten

Alltagstauglichkeit

In Ordnung. Haben sich ein paar der Grundzutaten erst in den Alltag geschlichen, werden sie bald nicht mehr wegzudenken sein. Einige Mezze-Gerichte lassen sich außerdem im großen Stil vorbereiten und warten im Tiefkühler auf ihren Einsatz. 4 von 5 Punkten

 GESAMTWERTUNG: 5 von 5 Punkten

Die nackten Fakten

Autorinnen: Nadia Zerouali und Merijn Tol
Umfang: 256 Seiten
Verlag: ZS Verlag
Sprache: Deutsch
Preis: 24,99 EUR
Bezugsquelle: ZS Verlag

Drei Sätze zum Schluss

Nadia und Merijn balancieren die Tradition und den Mut, Neues auszuprobieren so gewissenhaft und voller Freude in ihrem Mezze-Kosmos, dass man sich nur mitreißen lassen kann. Schon nach wenigen Seiten zuckt es in den Fingern, schließlich wollen neue, spannende Zutaten und Rezepte erobert werden! Während die Grillspezialitäten fast durchweg tierischen Ursprungs sind, finden sich auch viele fleischlose Varianten, vor allem in Form von Mezze – also alles für die gesamte, glückliche Großfamilie.

Mehr Informationen zum Buch: ZS Verlag

Weitere Kochbuch-Rezensionen findet ihr in unserer Reihe KÜCHENZEILEN.

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