Die Kistenkocher | FOODBARN
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Die Idee hinter einer Obst- und Gemüsebox war mir schon immer sympathisch. Trotzdem konnte ich mich lange nicht dazu durchringen, einen großen Teil meines Lebensmittel-Budgets auf einmal dafür auszugeben und gleichzeitig wenig Einfluss auf den Inhalt zu haben. Die Auswahl in den Obst- und Gemüseabteilungen der Supermärkte brachte aber auch keine Lösung meiner first-world-problems: Regelmäßig stand ich da und zerbrach mir Kopf, was diesmal in den Korb wandern sollte.

Das Angebot der Gemüseretter Etepetete überzeugte mich schließlich doch. Regelmäßig klingelt nun eine Kiste voll Gemüse und Obst mit Schönheitsfehlern an meiner Tür. Und hier erzähle ich, wie es ist, wieder mit dem hantieren zu müssen, was auf den Tisch kommt. Oder in die Kiste.

Text: Laura Vorsatz

Fotos: Gino Giove, Annabell Sievert

50% der Obst- und Gemüseernte in Deutschland werden weggeschmissen, weil sie den Schönheitsidealen der Supermärkte nicht entsprechen. Dem möchte Etepetete, ein Münchner Startup, entgegen treten. Das Konzept ist klar und überzeugend: Verschickt werden Kisten mit übergroßen Kohlrabis, kleinen Orangen, zweibeinigen Möhren und vielem mehr. Inhaltlich ist alles wie immer, nur von außen genügen die Früchte den Standards nicht.

Normalerweise habe ich folgendes Repertoire zu Hause: Äpfel, Tomaten, Möhren, Aubergine, Zucchini, Kartoffeln. Etepetete schüttelt das ordentlich durcheinander. Und damit auch meine Rezept-Rotation. Klar, Reis mit Scheiß geht immer. Doch mit den Aufgaben wachsen die Ambitionen. Was kann ich also Verrücktes mit diesem Rhabarber tun? Wie kann diese einzelne, formschöne Fleischtomate in Szene gesetzt werden? Und wie lange ist es bitte her, das meine Küche eine Ananas willkommen heißen durfte?

Ich stecke gerade in einer Phase der Fermentation. Tun wir ja alle irgendwie, nur habe ich sie auf alles gemüsige und obstige wo gibt ausgeweitet. Den Rhabarber stecke ich also mit einer Zimtstange in eine zweiprozentige Salzlake. So habe ich es vom Fermentiermeister Vadim Otto Ursus gelernt. Nach drei Tagen ist klar: Schmeckt nicht. Ist einfach nur sauer, buah. Vielleicht lässt es sich noch als Chutney retten? Ich fühle mich noch nicht bereit dazu. Die Niederlage sitzt tief. Wie praktisch, dass das Zeug nun haltbar ist und guten Gewissens ignoriert werden kann.

Annabell Sievert Vadim Otto Ursus Einlegen Milchsäure Gärung fermentieren Fermentation b34
Es wird fermentiert, was nicht bei drei auf dem… und so weiter. Ganz so beeindruckend sieht es bei mir noch nicht aus.

Die Fleischtomate erreicht keinen großen Auftritt, denn der Hunger kommt dazwischen. Es muss schnell gehen, satt soll es machen und nicht allzu ungesund sein. In solchen Momenten bleibt mein Blick gern am Couscous-Glas hängen: Mit heißem Wasser aufgegossen und ähnlich zubereitet wie ein Taboulé, reiht sich die Tomate friedlich ein und bleibt dennoch unersetzlich.

Taboulé vermengen
Frau Fleischtomate spielt ganz klar eine der Hauptrollen im Gemenge.

Beim Anblick der Ananas umweht ein Hauch von Mexiko mein von verschütteter Salzlake verklebtes Haar und ich denke an Strand und Meer, Acapulco und die unerträgliche Hitze, die mich gefühlt stündlich bei einem ganz bestimmten Café anklopfen ließ. Der „Brain Freezer“ dort hielt, was er verspricht. Was es zur schockgefrosteten Erleuchtung in der eigenen Küche braucht, ist nicht mehr als einen Standmixer oder Pürierstab, eine Ananas, ziemlich viel Minze und Eiswürfel. Herauskommen sollte eine schneematschartige Konsistenz, quasi im Gedenken an die längst vergessene kalte Jahreszeit. Prost!

Worauf kochende Amateure wie ich so kommen, wenn ihnen die Zutaten vorgesetzt werden, gibts nun jede Woche auf Foodbarn.

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